Dirigent:James Levine ist tot

Dirigent James Levine

James Levine (1943-2021)

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Der langjährige künstlerische Leiter der Metropolitan Opera in New York und zwischenzeitliche Chefdirigent der Münchner Philharmoniker starb im Alter von 77 Jahren.

Der Dirigent James Levine ist tot. Wie sein Arzt Len Horovitz am Mittwoch bestätigte, ist er im Alter von 77 Jahren in Palm Springs gestorben. Zuerst hatte die New York Times berichtet. Über die Todesursache ist noch nichts bekannt. Levine war mehr als 40 Jahre lang musikalischer Leiter der Metropolitan Opera in New York und galt als einer der führenden Dirigenten der USA. Er hatte seine Karriere allerdings beenden müssen, nachdem im Oktober 2016 Missbrauchsvorwürfe gegen ihn laut geworden waren.

Drei Männer hatten Levine öffentlich vorgeworfen, sie in jungen Jahren sexuell missbraucht zu haben. Einer soll zu dem Zeitpunkt 15 Jahre alt gewesen sein. Die Met beauftragte daraufhin eine Anwaltskanzlei, die glaubwürdige Beweise für die Vorwürfe fand. Im März 2018 beendete die Met die Zusammenarbeit.

Künstlerisch hatte Levine das New Yorker Opernhaus geprägt wie kaum ein anderer. 1973 wurde er mit gerade mal 29 Jahren Chefdirigent der Met. 1976 wurde er musikalischer Direktor des weltberühmten Opernhauses. In seiner Zeit dort initiierte er unter anderem die Fernsehserie Live from the Met/Metropolitan Opera Presents, gründete das "Met's Young Artist Development Program" und nahm den kompletten "Ring des Nibelungen" wieder ins Programm auf.

Für sein künstlerisches Schaffen wurde Levine mit unzähligen Preisen geehrt

Außerdem war er als Gastdirigent in Europa tätig. Bei den Salzburger Festspielen dirigierte Levine seit 1975 mehr als 100 Opernaufführungen und Konzerte mit den Wiener Philharmonikern. In Bayreuth debütierte er 1982 und dirigierte als erster Amerikaner die Neuinszenierung des "Parsifal". Nach mehr als 50 "Parsifal"-Aufführungen in zehn Jahren leitete er 1994 als erst zweiter Amerikaner überhaupt die gesamte "Ring"-Aufführung. Im Mai 1994 kam er mit der New Yorker Met Compagnie nach Frankfurt/Main, um dort vier Tage lang während der Feierlichkeiten zum 1200-Jahr-Jubiläum der Stadt Konzerte und konzertante Aufführungen von Wagner- und Verdi-Opern zu dirigieren. 1999 nahm er einen Fünfjahresvertrag als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker an.

In seinen fünf Spielzeiten in München dirigierte Levine 130 Konzerte sowie 60 Vorstellungen von elf Opern wie Schönbergs "Moses und Aron" und erneut Wagners kompletten "Ring".

Für sein künstlerisches Schaffen wurde Levine mit unzähligen Preisen geehrt, darunter der "Cultural Award of New York City", die "National Medal in the Arts and Humanities", der "Wilhelm-Furtwängler-Preis", zahlreiche Grammys und mehrere Ehrendoktorate.

© SZ/biaz
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