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Interview:Melissa McCarthy: "Auch Frauen dürfen erfolgreich und gerissen sein"

Slapstick comedy 'The Boss' rules box office

Melissa McCarthy bei der Premiere ihres neuen Films "The Boss".

(Foto: AFP)

Die Schauspielerin und Produzentin Melissa McCarthy kämpft in Hollywood gegen überholte Geschlechterklischees und einfallslose Drehbuchautoren.

Sie ist eine von den Frauen, die richtig laut werden können, vielleicht zu laut manchmal und dabei kann sie bisweilen mühelos auch die Grenzen des guten Geschmacks nicht nur überschreiten, sondern - wenn schon denn schon - torpedieren. Auf die Weise schlägt sie reihenweise Männer in die Flucht. So wie die Frau, die sie jetzt in "The Boss" spielt. Eine harte, rücksichtslos und brutal auftretende Frau, die zur reichsten Frau Amerikas aufstieg.

Furchterregend? Gar nicht niedlich? Schlagfertig? Solche Rollen haben Melissa McCarthy noch nie geschadet, sondern zu einer der bestbezahlten Hollywood-Schauspielerinnen gemacht, gleich nach Jennifer Lawrence und Scarlett Johansson, Frauen im Übrigen, die dem, was man heutzutage gängiges Schönheitsideal nennt, weit mehr entgegenkommen, als eine Frau, die für einen Film unlängst mit Kickboxen mal eben 30 Kilogramm abgenommen hat. Ach ja, vielleicht sollte man abseits der Äußerlichkeiten erwähnen, dass Melissa McCarthy als selbständige Produzentin Filme produziert hat, die jeweils 200 Millionen Dollar eingespielt haben.

"Jeder Drehbuchautor, dem als Beschreibung nur 'langbeinig' einfällt, sollte sich schämen!"

Um zu verstehen, was für eine großartige Künstlerin da zum Interviewtermin in Los Angeles ins Four Seasons Beverly Hills kommt, sollte man sich etwas näher mit ihrer Biographie auseinandersetzen. Wie sie in einem langen und aufregend ehrlich geführten Interview erzählt, kommt sie aus einer Mittelstandsfamilie irgendwo in der amerikanischen Provinz. Was auch immer in Plainfield, Illinois, los war - oder eben gerade nicht - zu Hause war einiges geboten. Dort gehörten das Erzählen von Geschichten und die Fähigkeit, dabei ausgiebig über sich zu lachen, sozusagen zu den Fundamenten der Familienkultur. Ihr Vater, erzählt sie offenherzig, konnte dieselben Geschichten hunderte Mal so erzählen, dass sich alle vor Lachen bogen. Ob sie davon für ihr Leben beeinflusst wurde?

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Sicher ist nur, dass sie sich dafür entschied als Stand-Up-Komödiantin Geschichten selbst zu erzählen. Sie schaffte es, in Los Angeles bei der berühmten Truppe "The Groundlings" aufgenommen zu werden. Es folgte der Sprung in Fernseh- und Filmkomödien wie Drei Engel für Charlie, Gilmore Girls und Mike & Molly. Und schließlich kam der große Durchbruch als Megan in "Brautalarm". Seit ein paar Jahren produziert sie ihre eigenen Filme. Gemeinsam mit ihrem Kollegen und Ehemann Ben Falcone schreibt und produziert sie Filme für Frauen jenseits der 40, von denen sie sagt, dass sie nur angemessene Charakterrollen bekommen, wenn Frauen die Drehbücher schreiben.

Der im Gespräch überraschend höflich und erstaunlich ernsthaft auftretende Star erzählt von Kolleginnen, die in Drehbüchern als einzige Charakterisierung des weiblichen Parts lasen: schön und langbeinig. "Im Ernst?", ruft sie, "Wie soll man das spielen? Jeder Drehbuchautor, dem als Beschreibung nur 'langbeinig' einfällt, sollte sich schämen!" Melissa McCarthy ist ihr eigener Boss geworden, um so etwas nie wieder zu erleben. Eine Frau ist unsympathisch, rücksichtslos und gerissen? Wo ist das Problem? "Es gefällt mir, dass wir uns nicht mehr für Frauen entschuldigen müssen, die erfolgreich und gerissen sind."

Melissa McCarthy entwirft auch ihre eigene Mode für Frauen, die sich nicht dafür schämen sollen, wenn sie etwas tragen, "das für drei Viertel aller Frauen in Amerika entworfen wurde", nämlich Frauen mit Größe 42 oder drüber.

Lesen Sie mit SZ Plus das ganze Interview, in dem McCarthy auch erzählt, was sie mit Chefs gemacht hat, die sie vor allen ohne Respekt runtergeputzt haben und was sie davon hält, dass Frauen Schönheits-Normen unterworfen sind, die niemals für Männer gelten.

© SZ.de/doer
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