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Interview mit Liselotte Pulver:"Ich war immer nur der Seitensprung"

SZ: Auf welchen Typ standen Sie?

liselotte pulver

Die Außenrolle der Frisur gibt zusätzlich Schwung: "Lilo" in den 50er Jahren.

(Foto: Foto: ap)

Pulver: Auf die schönsten weit und breit! Chirurgen, Piloten, Artisten.

SZ: Woran hat's denn gehapert?

Pulver: Bei meiner ersten großen Liebe war ich Schülerin und 17 Jahre alt. Er war Arzt.

SZ: War der nicht verheiratet?

Pulver: Und er hatte Kinder. Der hat mich einfach nicht angerührt, da konnte ich machen, was ich wollte. Das war damals einfach so. Das machte man nicht.

SZ: Er hat Sie am kleinen Finger verhungern lassen, wie man so sagt, oder?

Pulver: Ich wollte immer das Nonplusultra und war daher sehr wählerisch. Deswegen konnte ich mich auch nicht trösten mit jemandem, der unter dem Niveau meines Traummannes gewesen wäre. Das ist auch jetzt der Fall, da mein Mann nicht mehr da ist. Der Nachfolger müsste mindestens so sein wie Helmut.

SZ: Groß und muskulös . . .

Pulver: . . . und begabt. Und gescheit. Und gebildet. Und komisch!

SZ: Hm, konnten denn diese Wunderknaben immer was mit Ihnen anfangen? Sie verkörperten ja, wie gesagt, ein Gegenbild zur typischen Frau der 50er: das Koboldhafte, das Witzemachen.

Pulver: Ja, vermutlich war ich nicht ihr Typ. Ich war sehr vorwitzig. Und jemand, der auch mal nicht so zurechtgemacht war, wenn ich keine Zeit hatte. Dann sah ich vielleicht nicht so attraktiv aus. Und mir war wurscht, wie ich angezogen war.

SZ: Viele junge Frauen haben Ihre burschikosen Auftritte als Befreiung empfunden. Und die Männer?

Pulver: Die mochten das vielleicht nicht so, die hatten lieber die perfekten Frauen, die ich übrigens sehr beneidete. Die sahen immer aus wie aus dem Ei gepellt.

SZ: Wer zum Beispiel?

Pulver: Nadja Tiller! Das war eine Wucht von einem Mädchen, so was von schön!

SZ: Mit solchen Konkurrentinnen hatten Sie seit der Schulzeit zu kämpfen?

Pulver: Da hatte ich Schulkameradinnen, die hatten Locken, die hatten Busen, niedliche Kleidchen. Und im Badeanzug sahen die auch wohlgeformt aus. Ich war ja ein Brett. Es gab schon Jungs, die mich zu Klassenabenden eingeladen hatten. Aber eben die interessierten mich nicht.

SZ: Wie wollten Sie die jungen Männer denn erobern?

Pulver: Naja, da habe ich mich im Berner Aarebad dazugesetzt und gefragt: "Gehst du mit mir schwimmen?" Das Komische war: In dem Moment, in dem ich merkte, dass einer Feuer gefangen hatte, war's für mich wieder vorbei.

SZ: Alles nur ein Spiel.

Pulver: Ab diesem Moment war er mir zuwider. Mich hat ein Mann nur dann interessiert, wenn er mir überlegen war. Das hat sich eben auch dadurch geäußert, dass er nichts von mir wissen wollte.

SZ: Wie war das mit den berühmten Filmpartnern, die Sie hatten: Paul Hubschmid, Hardy Krüger, Curd Jürgens - um nur ein paar zu nennen. Ging das übers Berufliche hinaus?

Pulver: Ja, aber wenn der Film zu Ende war, hat man sich nicht mehr gesehen. Dann wurde der Kontakt immer schwächer und schwächer und schwächer. Schließlich kam wieder ein neuer Film - dann war man wieder neu verliebt.

SZ: Hätten Sonja Ziemann oder Ruth Leuwerik so was gemacht wie Sie in "Zürcher Verlobung"? Sie tragen zu weite Skihosen und rutschen dann auch noch aus. Alle schütteln sich vor Lachen über Sie. Sie waren kein Sexobjekt, richtig?

Pulver: Nein, ich war irgendwas anderes. Es gibt allerdings auch Männer, die lieben solche Bohnenstangen, solche knabenhaften Frauen. Ziemlich viele sogar. Audrey Hepburn, das war doch auch so eine dünne. Meine Beine übrigens konnten sich schon sehen lassen.

SZ: War es auch Emanzipation, die da hinter Ihrem Stil gesteckt hat?

Pulver: Hm, möglich. Auch wenn ich die richtigen Emanzen nicht ausstehen kann, wegen ihres Gehabes und der Art, wie sie sich anziehen, ich habe mich immer ein bisschen anders verhalten. Aber ich habe immer eine Abneigung gehabt gegen Haushalt und gegen eine sozusagen bürgerliche Existenz.

SZ: Quatschmacherei als Auflehnung?

Pulver: Nicht bewusst. Nein, bestimmt nicht. Ich habe es einfach wahnsinnig genossen, wenn man über mich gelacht hat. Wenn im Theater brüllendes Gelächter losging, das war das Größte!

SZ: Warum haben Sie dann immer diese Sehnsucht nach ernsten Rollen gehabt?

Pulver: Weil ich natürlich glaubte, dass ich eigentlich eine Tragödin bin. Ich kam mir ja immer unwahrscheinlich tragisch vor! Weil ich halt privat Kummer hatte. Ich dachte: Das schreit danach, auf eine klassische Rolle übertragen zu werden.

SZ: Und war das wirklich so leicht ?

Pulver: Irgendwann habe ich gemerkt, dass es falsch ist, dramatische Rollen spielen zu wollen. Ich hatte die Stimme gar nicht für diese Ausbrüche. Da kann man nicht herumpiepsen. Ich dachte immer, die großen Schauspielerinnen seien alle Tragödinnen gewesen.

SZ: Frau Pulver, was zeichnet denn eine gute Schauspielerin aus?

Pulver: Na, dass sie alles spielen kann.

SZ: Was ist mit der Fähigkeit, auch mal dick aufzutragen?

Pulver: Das ist ein großer Fehler von mir gewesen, der zum Teil unterstützt wurde, gerade von Kurt Hoffmann am Anfang, weil die sich ja immer totgelacht haben beim Drehen . . .

SZ: . . . immerhin der erfolgreichste deutsche Regisseur in den 50er- und 60er-Jahren. . .

Pulver: . . . sicher, aber die haben mich manchmal nicht korrigiert, weil sie gedacht haben: Wenn wir lachen, lachen die Leute auch. Auf der Leinwand war es nachher zu viel. Das habe ich auch anderen Regisseuren vorgeworfen. Dass sie mich nicht gebremst haben.

Lesen Sie im nächsten Teil, was Liselotte Pulver über Doris Day denkt und wie sie die prüden Fünfziger erlebte.