Im Kino: Der Womanizer Der Gefühlsgeizhals

Connor kann sie alle haben - bis auf eine. Und die heiratet seinen Bruder. Mark Waters erzählt die alte Geschichte vom Profi-Playboy mit Matthew McConaughey und ohne amerikanische Prüderie.

Von Susan Vahabzadeh

Das ist eine Lieblingsgeschichte des Kinos, die vom Mann, der verdammt ist, durch die Welt zu wandern und zu sehen, was er nicht teilen kann, was er aber auf Erden hätte teilen können. "Der Geist vergangener Geliebten" heißt "Der Womanizer" im Original, und es handelt sich, im weitesten und modernisierten Sinne, um eine Adaption von Dickens' Weihnachtsgeschichte - Matthew McConaughey spielt Connor Mead, einen Ebenezer Scrooge, einen Gefühlsgeizhals; und wie bei Scrooge gibt es natürlich eine Vorgeschichte, warum er so kalt geworden ist - die psychoanalytisch enthüllt werden muss, um von vorn anfangen zu können, nach einer Reise durch die Schatten der Dinge, die gewesen sind und die nichts von uns wissen...

Matthew McConaughey spielt Connor Mead - einen Womanizer, wie er im Buche steht.

(Foto: Foto: Warner)

Was Connor Mead erlebt, ist keine Weihnachtsnacht, sondern sein persönlicher Albtraum - eine Bindung fürs Leben, eine Hochzeit, igitt. Wir lernen ihn kennen, während er in seinem Fotostudio eine junge Popsängerin verführt, mit der er gerade ein Vanity-Fair-Cover macht, und simultan die drei Frauen der letzten Woche am Telefon abserviert, aus Zeitgründen via Konferenzschaltung - jeder einzeln zu erklären, dass es vorbei ist, wäre nicht effizient.

Und ausnahmsweise ist es mal nicht eine weitere Frau, wegen der er in Eile ist, es geht vielmehr um seinen Bruder Paul - den einzigen lebenden Verwandten, der ihm geblieben ist. Connor muss los, weil in der riesigen Familienvilla die Probe zu Pauls Hochzeit stattfindet, und er ist der Trauzeuge. Es schlägt ihm dort alles andere als Wohlwollen entgegen; besonders von Jenny (Jennifer Garner), einer alten Freundin der überschaubaren Familie Mead. Jenny ist, man ahnt es schon, sein Dämon, die Frau, die er geliebt hat und nicht haben konnte.

Nun ist, obwohl die Vorlage nicht dazu einlädt, "Der Womanizer" eine Komödie, und die muss durchs Drumherum entstehen. Durch die zauberhaften Achtzigerjahre-Teenieparties, mit denen der verhärtete Connor wieder aufgeweicht werden soll, durch den Geist seines ersten Flirts im entsprechenden Outfit und mit Zahnspange, durch eine unanständig hochstapelnde Hochzeitstorte, bei der man sofort weiß, dass sie's nicht bis zur Hochzeit schafft. Und vor allem durch das Obergespenst - ein wirklich zauberhafter Auftritt von Michael Douglas, der seine Figur offensichtlich einem Freund seines Vaters nachempfunden hat, dem legendären Robert Evans, Halstuch inklusive. Wayne ist der Geist, der Connor auf die nächtliche Reise schickt, um sich zu bessern, sein Onkel, ein Profi-Playboy, der sein Bestes gegeben hat bei der Erziehung der zwei verwaisten Neffen, die ihm anvertraut waren - der aber, fehlgeleitet wie er war, nur seine Playboyweisheiten weiterzugeben hatte und nun traurig und einsam geistern muss, ohne Frieden, ohne Ruhe und mit den Qualen ewiger Reue.

Mark Waters, der die "Spiderwick Chronicles" inszenierte, erzählt das als nette kleine Geschichte, ohne große Ambitionen vielleicht, widersteht aber der Versuchung, in typisch amerikanische Prüderie zu verfallen. Ein Vehikel für seinen Star Matthew McConaughey, der seine Zähne eindeutig einmal zu oft hat bleichen lassen und dennoch einen ganz besonderen Charme entwickelt: Der hohle Hollywood-Beau, das ist er ja selbst; und man sieht hier, dass er weiß, es ist an der Zeit, sich noch einmal neu zu erfinden.

GHOSTS OF GIRLFRIENDS PAST, USA 2009 - Regie: Mark Waters. Drehbuch: Jon Lucas, Scott Moore. Kamera: Daryn Okada. Mit: Matthew McConaughey, Jennifer Garner, Breckin Meyer, Lacey Chabert, Robert Forster, Anne Archer. Warner, 100 Minuten.