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Hollywoodstar Richard Widmark gestorben:Das letzte Abendrot

Richard Widmark ist tot. Der Schauspieler starb mit 93 Jahren in Conneticut. Ein großes Kapitel der amerikanischen Filmgeschichte ist damit geschlossen.

Er war ein grundsolider Mann, integer und aufrecht, einer, der wusste, was er wollte und was er tun musste, um das dann durchzusetzen. Einer, auf den man sich verlassen konnte, auch wenn er manchmal eher zurückhaltend war, manchmal impulsiv und grantig.

US-Schauspieler Richard Widmark als Eisenbahn-Pionier in dem Film "Das war der Wilde Westen"

(Foto: Foto: dpa)

Natürlich ist da noch jenes andere Bild, das sich, immer wieder, immer noch, über alle die siebzig Rollen schiebt, die Richard Widmark spielte - jenes unberechenbare, sadistische Lachen, das der Killer Tommy Udo im Film "Kiss of Death" von sich gab, ein Lachen, das so schräg war wie sein Hut und seine Krawatte und so gemein wie der Schubs, mit dem er eine alte Frau im Rollstuhl die Treppe hinunterstieß. Und das noch heute, über sechzig Jahre später, nichts von seinem Schrecken verloren hat. Es war Widmarks erste Rolle, seine einzige Oscar-Nominierung, als Nebendarsteller.

Richard Widmark war einer der großen Studioakteure, angefangen bei der Fox in den Vierzigern. "Eine Menge Schauspieler hassen das Studiosystem, ich mochte es. Es war wie im College, ein toller Platz, um zu lernen. Ein Schauspieler fand dort eine große Kontinuität in seiner Arbeit - ich hatte zu Beginn meiner Karriere bei der Fox sieben Jahre Zeit, um mein Metier zu lernen."

Learning by doing ... Widmark war ein Natural, er hat kaum Schauspielunterricht gehabt. Und er hat mit fast jedem wichtigen Hollywoodregisseur zusammengearbeitet, manchmal sogar mehrmals, John Ford und Sam Fuller, bei dem ihn nur störte, dass er statt Action zu rufen gern einen Revolver abfeuerte, Elia Kazan, den er besonders schätzte, und Vincente Minnelli, Stanley Kramer und Henry Hathaway, John Sturges und Robert Aldrich ("Twilight's Last Gleaming").

Er war im Western so überzeugend wie im Polizeifilm, und hat sich neben jedem Co-Star mühelos behaupten können, Henry Fonda, Gregory Peck, William Holden, Gary Cooper: "Beim Drehen haben Coop und ich lange Spaziergänge gemacht, und er war wie ein Indianer, kannte jedes Blatt, das herumwirbelte. Es war wie eine Unterrichtsstunde, mit ihm durch die Natur zu ziehen."

Ein amerikanischer Natural - in John Waynes "Alamo" hat er sogar den großen Amerikaner Jim Bowie verkörpert -, in seinen Obsessionen, seinen Verzweiflungen, seiner Aufrichtigkeit. Das moderne Filmgeschäft verachtete er und den Fernsehbetrieb, der mit seinen Talkshows die Leute zwang, ihre Privatsphäre zu zerstören.

Joseph L. Mankiewicz wollte ihn 1950 unbedingt in seinem Antirassistenfilm "No Way Out", und Richard Widmark litt fürchterlich darunter, dass er seinem Freund Sidney Poitier die schlimmsten Gemeinheiten ins Gesicht sagen musste - nach jedem Take rannte er zu ihm und entschuldigte sich.

Am Montag ist Richard Widmark im Alter von 93 Jahren in Roxbury, Conneticut gestorben. Ein großes Kapitel der amerikanischen Filmgeschichte ist damit geschlossen.