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Hörenswert:Schubert erleben

Anja Lechner und Pablo Márquez

Ja klar, ist Schubert, klingt wie "Leise flehen meine Lieder", wenn auch nur ganz am Anfang. Die CD heißt schließlich "Franz Schubert - Die Nacht", also wird Schubert gemeint sein, auch wenn die Besetzung ein bisschen seltsam ist. Ach nein, das stammt von Herrn Burgmüller, ist dessen "Nocturne Nr. 1" und hier in der Originalbesetzung gespielt, Cello und Gitarre. Friedrich Burgmüller war 22 Jahre alt, als Schubert starb. Und lebte noch 46 Jahre länger. Er schrieb verschiedene Nocturnes, das zweite ist herrlich schön.

Anja Lechner und Pablo Márquez haben für das Label ECM Musik von Schubert aufgenommen und um einige Momente von Burgmüller ergänzt. Sie spielt Cello, er Gitarre; sie spielen von Schubert Lied-Bearbeitungen und die "Arpeggione"-Sonate. Zunächst wirkt das sehr irritierend. Aber mit Schuberts Liedern ist schon vieles gemacht worden. Die allerschönste Bearbeitung, die einem da grad einfällt, ist die von "Du bist die Ruh", gespielt von der Tiroler Zaubercombo Franui. Das Grandiose an der Einspielung, die auf Franuis Geburstagsalbum "Ständchen der Dinge" zu hören ist: Nikolaus Habjan pfeift die Singstimme. Ja, pfeift. Betörend.

Zurück zu Lechner und Márquez. Wie oft bei ungewöhnlichen Instrumental-Besetzungen klingt die Aufnahme immer schlüssiger, je länger man zuhört. Sie prunkt nicht mit neuen Ideen zu den Liedern. Sie erzeugt indes ein soghaftes Schubert-Fluidum, das vielleicht seinen reinsten Ausdruck in der Sonate hat. Und dann ist da noch der "Leiermann". Fahl spielt Lechner auf dem Cello die Bordun-Quint, fahl, leer, tot, knochenmühlenartig. Aber doch zart. Die Gitarre erzählt erst für sich, dann singt das Cello, verloren, einsam, traurig.

Die Nacht - Musik von Franz Schubert, Anja Lechner und Pablo Márquez ; Samstag, 23. Februar, 20 Uhr, Allerheiligen Hofkirche