Hörenswert Schön fremd

"Sasebo" stellen ihr zweites Album vor

Von Jürgen Moises

Die ersten, gezupften Gitarrenakkorde klingen eindeutig nach amerikanischen Südstaaten, das heißt auf jeden Fall: vertraut. Wenn kurz darauf Carl Tokujiro Mirwald mit seiner tiefen japanischen Stimme losjault, eine Snare dem Ganzen einen Marsch-Rhythmus verpasst und neben einem Akkordeon und einer tiefen Tuba irgendwann auch noch eine Maultrommel losquakt, dann ist man doch etwas verwirrt. Und diese Verwirrung, die der Eröffnungssong "BjörnBjörn" des zweiten 10-Inch-Vinyl-Albums von Sasebo auslöst, hält auch erst mal an, wenn in den restlichen sieben Liedern weitere Blues-Akkorde auf japanische Flötenmelodien treffen, oder ein Saxofon auf eine singende Säge. Was ist da los? Hat sich hier ein japanischer Captain Beefheart mit bayerischer oder osteuropäischer Folklore infiziert?

Irgendwann erscheint einem das, was die achtköpfige Münchner Formation unter dem Label "Japanisch-bayerischer Anarcho-Blues" musikalisch da alles treibt, aber ganz selbstverständlich. Bis auf die japanischen Texte. Die bleiben fremd. Aber das soll laut Bandgründer Toshio Kusabe, der sich mit Carl Tokujiro Mirwald den Gesang teilt, auch genau so sein. Damit man auf ihren Klang und weniger auf ihren Inhalt hört. Gegründet hat der Musiker, Koch und Lebenskünstler Kusabe Sasebo vor fünf Jahren als "Ausstellungseröffnungs-Band". Es folgten Auftritte in Galerien, auf Festen, in Kneipen, im Herzkasperlzelt, an diesem Freitag kann man die Anarcho-Blueser live in der Milla bei ihrer Album-Präsentation erleben.

Sasebo, Ohne Titel (Echokammer), Freitag, 22. April, 20 Uhr, Milla, Holzstr. 28