Hörenswert Popblockflöte

"The Capitols" stellen im Strom ihre neue EP vor

Von DIRK WAGNER

Gemeinhin erlebt man die Blockflöte als Prüfstein wahrer Elternliebe auf Weihnachtsfeiern im Kindergarten. Kein Wunder also, dass nur wenigen Menschen der Wohlklang zuteil wird, zu welchem das Instrument auch fähig ist, wie nicht nur die Aufnahmen des niederländischen Blockflötisten Frans Brüggen beweisen. Der Münchner Musiker Matija Chlupacek folgt Brüggens Mission. Allerdings nicht mit barocker Musik, sondern mit Popmusik, in die Chlupacek die Blockflöte einfließen lässt wie Ian Anderson die Querflöte in die Musik von Jethro Tull. Nur nicht gar so dominierend, sondern gleichberechtigt zu den anderen Instrumenten seiner Popformation The Capitols.

Bisweilen verzichtet die Band auch mal auf die Flöte. Damit schätzt sie das Holzblasinstrument allerdings nicht gering. Vielmehr verhindert sie, dass es zum Bandmerkmal verkommt, der den Einsatz dann erzwingen würde. So überrascht die Blockflöte trotz ihrer Häufigkeit mit kleinen raffinierten Ausschmückungen der Musik. Ganz kurz erklingt sie etwa im Titelstück "Mexico" der neuen EP der Capitols. Vier Jahre hat man auf diesen ersten Tonträger der 2011 gegründeten Band gewartet, die live bereits die Clubs füllt. Ihre mitreißende Bühnenshow ist in der lokalen Szene längst schon ein Qualitätsgarant.

Im Studio erweitern die jungen Musiker nun ihr perfektioniertes Zusammenwirken um ein Klangspiel, das begeistert und alle Möglichkeiten einer Studioaufnahme auslotet. Da transformiert auch mal eine offensichtlich über den Gitarrentonabnehmer aufgenommene Gesangsstimme zum warm pfeifenden Gitarrensolo. Klangeffekte wie die Fußschritte, die plötzlich durch den Titeltrack schreiten, offenbaren ein Raumgefühl, als könne man selbst in jener Musik spazieren. Melancholisch versucht der Song den endgültigen Abschied aufzuhalten, den er gleichzeitig beschwört. In so einem Abschied schwingt bereits der ganz große, schwere Abschied am eigenen Lebensende mit. Das Folgestück "Akropolis" lockert die Stimmung folgerichtig mit Chorgesängen und Rhythmen auf, die in ihrem Schwung auch an die belgische Band Balthazar erinnern. Trotzdem überwiegen die melancholischen Harmonien des viertelstündigen Meisterwerks einer meisterhaften Band.

The Capitols, Freitag, 18. September, 20 Uhr, Strom, Lindwurmstr. 88