Hörenswert Ode an das Chaos

Das zweite Album der "Blackout Problems" ist da

"Chaos" ist nicht nur in der Musik, sondern in fast jeder Kunstrichtung eine bekannte Trope. Fast immer ist das Chaos dann aber nicht einfach ein inhaltliches Thema neben andern, sondern wird als Nährboden verstanden, als Ausgangslage gewissermaßen, für jedwedes kreatives Schaffen. Schriftsteller, die inmitten von Papierlandschaften und Büchern versinken, Maler, die in chaotischen Ateliers in farbverschmutzten Overalls nicht mehr von ihren Bildern zu unterscheiden sind, strahlen Unangepasstheit aus. Das Chaos wird zum Emblem des Ungehorsams, der Rebellion, der Subversion.

Eine Ode an das Chaos beziehungsweise das KAOS ist so auch das neue Album der Münchner Alternative-Rock-Band "Blackout Problems", das dieses Jahr unter dem Band-eigenen Plattenlabel Munich Warehouse in Zusammenarbeit mit Cargo Records am Freitag erschienen ist. Es ist das zweite Album der Münchner Mario Radetzky, Marcus Schwarzbach und Michael Dreilich, die seit diesem Album mit dem neuesten Bandkollege Moritz Hammrich zu viert sind. Nach einigen EP's hatten sie 2016 ihr Debütalbum "Holy" herausgebracht, welches ihnen zahlreiche Gigs, u.a. einem Auftritt bei Pro7 Circus Halligalli, beschert hatte.

Der gleichnamige Titelsong von KAOS besingt in mal ruhig dahingesungenen Strophen, mal in gepresster, lauter Stimme, durchlebte Strapazen und die Versuche, sich aus dem Drunter-und-Drüber im eigenen Leben zu befreien. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählte der Sänger und Gitarrist Mario Radetzky, von den persönlichen Gefühlen der Unsicherheit, die er in dem Album musikalisch verarbeitet hatte: Einerseits verursacht durch eine Trennung, andererseits dadurch, dass er fast ein halbes Jahr lang nicht wirklich einen Wohnsitz gehabt hatte, fiel er in ein persönliches Tief. Dass die Freiheit von Chaos, ein geregeltes Leben nach konventionellen Wegen, das so etwas wie Kontrolle simuliert - Kontrol heißt auch ein weiteres Lied auf dem Album -, aber nur eine vermeintliche Freiheit ist, darüber wird sich das lyrische Ich sodann schmerzlich bewusst. Doch wer es wagt unbekannte Pfade zu gehen, riskiert mitunter auch Verirrungen, Enttäuschungen, Schmerz. Genau das macht ein lebenswertes Leben schlussendlich aus. Und so wird das "sweet, sweet chaos" von Neuem in hochgehalten - und musikalisch sublimiert.

12 Tracks beinhaltet das Album, die zwar thematisch verwandt sind, musikalisch aber alle für sich alleine stehen. Das treibende "Queen" etwa ist prädestiniert für Club-Moshpits, während "Kaos" fast drei Minuten Trance aufbaut, bevor der Song zu explodieren beginnt. Stellvertretend für die ruhige Seite des Albums verzichtet "Holly" oder "Charles" ganz auf Eskalation und entfaltet allein durch weite Soundflächen seine Wirkung.

Blackout Problems: Kaos; ab jetzt im Handel. Konzert: Samstag, 8. September, BR Startrampe

Im Technikum findet die Jahresabschlussshow am 1. Dezember 2018 statt.