Golden Globes abgesagt Die Solidarität der Stars

Muskeln zeigen mit Köpfchen: Mit der Absage der Golden-Globes-Gala ist das Business an seiner empfindlichsten Stelle getroffen.

Von Fritz Göttler

Am Montag war der Bart wieder ab. Die graue Wolle, die Star-Talkmaster David Letterman sich in der streikbedingten Zwangspause seiner Show hatte wachsen lassen. "Bärte rasieren auf dem Bildschirm", ulkte Stargast Tom Hanks, "das also ist es, was Shows ohne Drehbuchautoren machen."

Der lockere Ton, die ironische Stimmung, die an diesem Abend zu herrschen schienen, sind allerdings trügerisch. Der Streik der amerikanischen Film- und Fernsehautoren ist nach zwei Monaten Dauer in eine neue harte Phase getreten.

Die Writers Guild of America (WAG), die amerikanische Autorengewerkschaft, hat die Daumenschrauben kräftig angezogen. Um die großen Film- und Fernsehgesellschaften an den Verhandlungstisch zurückzuzwingen, hat sie das erste Film-Event des Jahres geopfert: die Verleihung der Golden Globes, also der Preise der Auslandspresse in Hollywood (Hollywood Foreign Press Association, HFPA), die am kommenden Sonntag zum 65. Mal stattfinden sollte.

Statt der gewohnten Gala im Beverly Hilton wird es diesmal nur Golden Globes very very light geben. Kein roter Teppich, keine erwartungsvollen Stars, kein großes Dinner, keine Partys danach - nur eine einstündige Pressekonferenz, in der die HFPA die Preisträger bekanntgeben wird.

Kollateralschäden

Die Fernsehübertragung ist es wohl, an der das Event scheitert. Wegen ihr hatte die WGA angekündigt, sie würde vor dem Hilton Streikposten platzieren. Und diese Streiklinie, so gab am vorigen Freitag Alan Rosenberg, Präsident der Schauspielergewerkschaft, bekannt, würden die nominierten Stars, mehr als siebzig, aus Solidarität mit den Streikenden nicht überschreiten.

Es war, nicht nur für die beteiligten Gewerkschaften, ein großer Triumph, wie er selten geworden ist in den Arbeitskämpfen der USA. Und es ist nicht erstaunlich, dass ausgerechnet in der gern als leichtlebig und leichtfertig verschrienen Unterhaltungsindustrie dieser Gemeinschaftsgeist so stark ist.

Die WGA war nicht bereit, für den Globes-Abend einen Sonderdeal auszuhandeln, wie Letterman es für seine Show geschafft hat. Und die HFPA wollte die Show nicht verschieben. Beide nahmen große Verluste in Kauf, finanziell und psychologisch. NBC verliert Millionen wegen fehlender Werbeeinnahmen, von denen die HFPA mehr als fünf Millionen abbekommen hätte - mit denen sie Stipendien finanziert hätte. Die größten Verlierer aber sind jene Arbeiter in der Unterhaltungsindustrie, die nach dem Stopp der laufenden Produktionen keine Beschäftigung haben.

Und nun die Oscars

Dass beide Seiten diese Kollateralschäden hinnehmen, zeigt, wie wichtig ihnen der zentrale Punkt des Streiks ist. Und da geht es nicht nur um ein paar Cent Beteiligung mehr, die Autoren für die Auswertung ihrer Arbeit in den neuen Medien - DVD, Internet, Handys - garantiert haben möchten. Es geht darum, die Zukunft dieser neuen Bereiche abzuschätzen - und die Zukunft der Unterhaltungsindustrie überhaupt, in der der Einzelne und sein kreativer Anteil immer weniger festzumachen ist. Nur angesichts dieser Unübersichtlichkeit ist die Hartnäckigkeit auf beiden Seiten erklärlich.

Die Unterbrechung der laufenden Produktion wird Millionen Dollar und zahlreiche Arbeitsplätze kosten. Und sie wird das Fernsehen radikal umgestalten, das mühsam nach Streikende seine Serien wieder in Fahrt bringen muss.

Die Filmindustrie wird sich fragen, ob sie wirklich weiter auf einen Blockbuster-Sommer setzen soll - und wie sehr sich Produktionen direkt fürs Internet, mit neuen Dramaturgien, durchsetzen werden. Ganz dringlich aber ist zunächst die Frage, was die WGA mit den Oscars im Februar vorhaben könnte.