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Glossar:Propst, Fiale und Joch

Was eine Kathedrale ist, weiß man. Doch was macht eigentlich ein Dompropst? Was ist ein Triforium und was ein Wimperg? Und weshalb ist das Gebäude an manchen Stellen schwarz? Eine kleine Begriffskunde rund um den Dom.

Von Sandra Danicke

Aus der Ferne wirkt der Kölner Dom wie aus einem Guss. Während wir staunend davorstehen, überkommt die meisten von uns jedoch eine große Sprachlosigkeit - nicht nur aus Ehrfurcht, sondern auch, weil wir kaum in der Lage sind, die schier unzähligen Einzelheiten der Kathedrale im Detail zu benennen. Dass sich der Eingang an der Westfassade Haupt- oder Mittelportal nennt, darauf wäre man vermutlich gerade noch so gekommen. Aber wie heißt das spitz zulaufende Dreieck, das vom höchsten Punkt des Portals nach oben zeigt? Eben. Dabei sind es nicht nur die architektonischen Details, deren Erläuterung einen durchschnittlichen Besucher in Verlegenheit bringen. Was genau ist zum Beispiel die Aufgabe eines Dompropstes? Und wieso ist der Kölner Dom an vielen Stellen so schwarz?

Apsis: Halbkreisförmiger, überwölbter Abschluss für einen kleinen Raum, der einem übergeordneten Hauptraum ein- oder angefügt ist.

Baptisterium: Christliche Taufkapelle.

Chor:Im Mittelalter der für den Chorgesang und das Gebet der Geistlichen bestimmte Raumteil der Kirche; meist im Osten gelegen.

Chorpolygon: Ein vieleckiger Chorabschluss.

Cyanobakterien: Bakterien, die Fotosynthese betreiben und sich durch Chlorophyll-Bildung vor heftiger Sonneneinstrahlung schützen. Sie haben sich auf dem Kölner Dom angesiedelt und färben ihn teilweise schwarz. Auch Flechten, Moose und Algen wachsen auf dem Bau.

Domkapitel: So heißen die Geistlichen, zu deren Aufgaben die administrative und liturgische Leitung der Kathedrale gehören. Vorsteher ist der Dompropst.

Domrendantur: Sie ist für die Finanz-, Vermögens- und Personalverwaltung des Domes verantwortlich.

Epitaph: Eine Grabinschrift oder ein Grabdenkmal für einen Verstorbenen an einer Kirchenwand oder einem Pfeiler.

Fiale: Schlankes, spitz auslaufendes Türmchen als Zierform auf Strebepfeilern und Wimpergen oder an Portalen und Galerien. Die Fiale trägt auf ihrer Spitze meist eine Kreuzblume.

Fischblasenmaßwerk: Eine typisch spätgotische Maßwerkform, bei der zwei oder mehr Kreise so zueinander geordnet sind, dass tropfenförmige Flächen entstehen, deren Umriss der Schwimmblase eines Fisches ähnelt.

Gurtbogen: Ein Bogen, der zwei Gewölbe trennt und so das Schiff einer Kirche in Joche unterteilt.

Joch: Was in der Landwirtschaft ein hölzernes Geschirr für Zugtiere ist, ist bei romanischen und gotischen Kirchen der Raum zwischen vier Pfeilern.

Jahresstäbe: Über dem Eingang zur Schatzkammer zeigen goldgefasste, hölzerne Jahresstäbe an, wie viele Jahre der regierende Erzbischof im Amt ist.

Konche: Eine Einbuchtung oder Nische im Grundriss.

Kreuzblume: Kreuzförmig um einen mittleren Schaft angebrachte, stilisierte Blätter als Bekrönung von Fialen oder Wimpergen.

Kreuzrippengewölbe: Das gotische Gewölbe, bei dem sich die Rippen wie die Diagonalen in einem Rechteck kreuzen. Dieser Punkt wird meist durch einen Schlussstein hervorgehoben.

Maßwerk: Steinerne geometrische Ornamente in der Gotik, wobei der Stein komplett durchbrochen wird. Das Maßwerk ist eines der wichtigsten Merkmale der gotischen Architektur. Man findet es in sämtlichen Fenstern, aber auch an Balustraden, Triforien und Emporen.

Mittelschiff: Der mittlere (in der Regel breiteste und längste) Raum der Kirche. Er ist meist durch Arkaden von den Seitenschiffen getrennt.

Obergaden: Das oberste der drei Geschosse der Mittelschiffwand, in dem sich die großen Fenster befinden.

Patrozinium: Schutzherrschaft eines Patrons oder einer Patronin, der die Kirche unterstellt wird. Der Kölner Dom steht unter dem Patrozinium des Apostels Petrus.

Spitzbogen: Ein Bogen, der aus zwei Kreisen gebildet ist, die sich in einer Spitze treffen; er ist eines der am besten erkennbare Merkmal des gotischen Baustiles.

Strebebogen: Schräg ansteigender Bogen am Außenbau. Seine Aufgabe besteht darin, die Schubkräfte des Gewölbes, die die Mittelschiffwand nach außen drücken, und die Windlast aufzunehmen und auf die Strebepfeiler abzuleiten.

Strebepfeiler: Ein der Wand vorgelegter Pfeiler, der sie an der Stelle, wo Gewölbekräfte wirken, verstärken soll. Strebepfeiler und Strebebögen zusammen werden Strebesystem genannt.

Triforium: Laufgang im Mittelgeschoss zwischen den Arkaden im Erdgeschoss und dem Obergaden, der nur zum Mittelschiff hin geöffnet ist.

Tympanon: Bogenfeld über einer Tür, das meist mit aus Stein gehauenen Darstellungen verziert ist.

Vierung: Gewölbequadrat, in dem sich Mittelschiff und Querschiff kreuzen. Die sich in der Querhausachse anschließenden Teile sind die Querarme.

Wasserspeier: Das Wasserableitungssystem an gotischen Kathedralen endet in Wasserspeiern - steinerne Teufel, Tiere und dämonische Mischwesen - durch deren Mäuler das Wasser abfließt. Sie sollen den Regen möglichst weit vom Gebäude ablenken.

Wimperg: Ziergiebel über einem Fenster oder einem Portal.

© SZ vom 24.06.2017
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