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Gehört, gelesen, zitiert:Kakadu-Freak-Out

Der amerikanische Schriftsteller Nicholson Baker ist gern im Internet unterwegs. In einer Art Selbstversuch hat er aufgezeichnet, was ihm dort serviert wird, wenn er zu suchen beginnt. Die Blüten, die der Algorithmus treibt, sind ganz schön bizarr.

Die Columbia Journalism Review bat den Autor Nicholson Baker, zu dokumentieren, was ihm der Youtube-Algorithmus vorschlägt. Schnell waren das nur noch die haarsträubendsten Verschwörungstheorien, und Baker wollte schon aufgeben, als ihm ein neuer Account wieder das Youtube zeigte, das er wegen der Tiervideos und seiner demokratischen Partizipationsmöglichkeiten so geliebt hatte.

"Wenn man sich in abschüssigen Höhlensystemen der Irrationalität herumtreiben möchte, dann wird einen Youtube ganz sicher dorthin führen. (...) Aber wenn man spüren möchte, wie großartig es ist, in diesem chaotischen und wahnhaften Moment der Geschichte am Leben zu sein, wenn man wissen möchte, dass man Teil von etwas Größerem und Unaufhaltsamem und Planetarischem und Einmaligem und Unvorhersehbarem ist, von etwas, das einen so mit Freude erfüllen kann, dass man Konfetti in die Luft werfen möchte, dann wird das Youtube auch für einen tun. Jetzt entschuldigen Sie mich, bitte, während ich mir diese Kakadu-Freak-out-Compilation ansehe."

© SZ vom 11.07.2020 / SZ

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