Frankreich Feministische Ikone: Politikerin Simone Veil gestorben

  • Die französische Politikerin Simone Veil ist im Alter von 89 Jahren gestorben.
  • Als Gesundheitsministerin in den 1970er Jahren kämpfte sie für das Recht auf Abtreibung und wurde so zu einer Ikone des Feminismus in Frankreich.
  • Von 1979 bis 1982 war sie erste Präsidentin des Europaparlaments.

Es gibt wohl kaum eine Politikerin, in deren Leben sich die Hoch- und Tiefpunkte der europäsichen Geschichte des 20. Jahrhunderts so eindrucksvoll konzentriert haben: Simone Veil erlebte den Holocaust, kämpfte für die Emanzipation der Frau und trieb die europäische Einigung voran. Am Freitagmorgen nun ist die einflussreiche französische Intellektuelle im Alter von 89 Jahren gestorben, wie ihr Sohn Jean Veil erklärte.

Simone Annie Veil, geborene Jacob, wurde am 13. Juli 1927 in Nizza als Tochter eines jüdischen Architekten geboren. Im März 1944 deportierte man Veil zusammen mit ihrer Schwester Milou und ihrer Mutter Yvonne Steinmetz aus Nizza. 13 Monate war Veil in den Konzentrationslagern von Auschwitz und Bergen-Belsen inhaftiert. Ihre Mutter starb in Auschwitz, ihr Vater und der Bruder wurden nach Litauen geschafft, wo sie vermutlich umkamen. Nach ihrer Befreiung entschied sich Veil, die Nummer, die ihr in Auschwitz tätowiert worden war, nicht entfernen zu lassen. Die Zahlen 78651 blieben für immer sichtbar auf ihrem linken Arm. Nicht nur privat, auch öffentlich hielt sie die Erinnerung an den Holocaust wach. "Ich habe das Gefühl, dass ich noch am Tag, an dem ich sterbe, an den Holocaust denken werde", sagte Simone Veil 2009.

Macron: "Möge ihr Beispiel unsere Landsleute inspirieren"

Kurz nachdem sie aus dem Lager befreit worden war, schrieb sich Veil schon am Pariser Institut d'Etudes Politiques ein. Sie heiratete, bekam drei Kinder und trat 1957 eine Stelle im französischen Justizministerium an. Damit folgte sie dem Rat ihrer Mutter, die ihr schon als junges Mädchen eingeschärft hatte: "Um unabhängig zu sein, muss eine Frau arbeiten gehen". 1970 wurde Veil als erste Frau Generalsekretärin des "Conseil supérieur de la magistrature", der höchsten Verwaltungsinstanz der französischen Richter. 1974 kam sie, protegiert von Valéry Giscard d'Estaing, als Gesundheitsministerin in die Regierung Jacques Chirac. Sie war damit die erste Ministerin Frankreichs seit 1958. Wenig später stieß das von ihr initiierte Gesetz zur Reform des Abtreibungsrechts im katholischen Frankreich auf heftigen Widerstand. Veil wurde dafür von vielen offen angefeindet. "Ich hatte nicht den Hass erwartet, den ich wecken würde", erinnerte sie sich später. "Man hat auf meine Haustür 'Veil = Hitler' geschrieben." Im Dezember 1974 wurde das Gesetz mit Unterstützung von Teilen der oppositionellen Linken schließlich angenommen und mit "Loi Veil" nach ihr benannt.

1979 wurde Veil erstmals als Spitzenkandidatin der Giscardisten ins Europaparlament gewählt. Von 1979 bis 1982 war sie dessen Präsidentin und setzte sich in dieser Funktion für die internationale Zusammenarbeit auch im nichteuropäischen Ausland ein. Für ihre Verdienste um den europäischen Einigungsprozess erhielt Veil 1981 den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen. 2008 wurde sie in die Académie française gewählt.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sprach Veils Familie sein Beileid aus. Auf Twitter schrieb der Präsident: "Möge ihr Beispiel unsere Landsleute inspirieren, die in ihr das Beste Frankreichs finden werden."

Geschlechterdebatte Eine Welt der Vollzeitmütter

Geschlechterdebatte

Eine Welt der Vollzeitmütter

Das Familienbild der rechten Parteien in Europa steckt voller Fallen für Frauen und die Gleichberechtigung.   Von Susan Vahabzadeh