Fotoserie "Die Gläubigen""Niemand hat ein Monopol auf Gott"

Martin Schoeller fotografiert religiöse Menschen in New York - im Oktober waren das unter anderem ein orthodoxer Erzbischof und eine Methodistin.

New York ist der Ort mit der größten Zahl unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften. Der Fotograf Martin Schoeller porträtiert in seiner Feuilleton-Kolumne jeden Freitag einen gläubigen Menschen aus dieser Stadt. Hier finden Sie seine Werke monatlich gesammelt.​​

Reverend Cathy Gilliard. United Methodist Church

Was ich an unserer Kirche so liebe, ist ihre Vielfalt. Damit meine ich, dass wir alle in jede Richtung vielfältig sind - politisch, sozial, schwul, lesbisch, hetero, vom Alter her. Das hilft uns an jedem Montagmorgen in eine vielfältige Welt hinein und aus unseren Komfortzonen herauszutreten und uns gegenseitig anders zu sehen. Niemand hat meiner Meinung nach ein Monopol auf Gott. Gott ist voller Geheimnisse und Wunder, er ist mächtig und hat Platz für alle.

Ich hatte Glück, dass mich meine Eltern mit einem sehr offenen Blick auf unseren Glauben erzogen. Glaube war nicht etwas, das man am Sonntag praktizierte, kein Regelwerk aus "du sollst nicht dies" und "du sollst nicht das". Es ging darum, gütig miteinander umzugehen, dem anderen zu verzeihen, über Fehler zu lachen und andere nicht zu verurteilen. Das ist Arbeit. Aber dann gibt es wieder Momente, wenn ich mit meinen Enkeln zusammen bin, wenn ich aufs Wasser schaue und es so friedlich ist. Wenn jemand im Gottesdienst eine Hymne singt, die meine Seele berührt. Das ist alles ein Ausdruck von Heiligkeit, und alle, die Zeit haben und ihre Augen öffnen, werden erleben, dass genau solche Momente ein Ausdruck von Gottes Liebe sind.

Bild: Martin Schoeller 27. Oktober 2018, 08:102018-10-27 08:10:26 © SZ/cag