Fotoserie "Die Gläubigen""Niemand hat ein Monopol auf Gott"

Martin Schoeller fotografiert religiöse Menschen in New York - im Oktober waren das unter anderem ein orthodoxer Erzbischof und eine Methodistin.

New York ist der Ort mit der größten Zahl unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften. Fast ein Jahr lang haben wir jede Woche das Bild eines Menschen aus einer der vielen New Yorker Glaubensgemeinschaften gedruckt, aufgenommen von dem Fotografen Martin Schoeller. Die Serie hinterlässt die Erkenntnis, dass niemand allein den besten Glauben für sich reklamieren kann - sondern höchstens alle gemeinsam.

Bhante Heenbunne Kondanna, Buddhist

Ich lebe auf Staten Island, inmitten einer riesigen buddhistischen Gemeinschaft. Wir sammeln gerade Geld für einen echten Tempel, bislang haben wir keinen. Im Leben eines Buddhisten gibt es gewisse Grundprinzipien: nicht zu töten, respektvoll zu anderen zu sein, nicht zu stehlen, Maß zu halten bei Vergnügungen, nicht zu lügen, sich nicht dem Rausch zu ergeben, sei es durch Drogen, Alkohol, Macht oder Geld. Damit fängt es an. Darüberhinaus ehren wir Buddha, die Lehren des Dharma und die Sangha, die Gemeinschaft der Erleuchteten. Wir bringen Blumen, Licht und Gerüche dar. Das Blumen sind Symbole der Schönheit und der sich ewig wandelnden Natur, das Licht ist ein Symbol der Weisheit, der Duft eines der Tugend. Gutes und Böses gehören zum Zyklus des Karma. Solange ein Mensch Karmas hat, wird er geboren und stirbt, wird geboren und stirbt, ein ewiger Kreislauf, den wir Samsara nennen. Ein wichtiges Element ist die Meditation. Wir tragen so viel Gepäck mit uns herum, Eifersucht, Gier, Wut. Aber Unreinheiten können nichts Gutes hervorbringen. Deshalb müssen wir uns reinigen. Dann erreichen wir ein normales Niveau der Aufregung, normale Sorgen und Schmerzen. So einfach.

27. Oktober 2018, 08:102018-10-27 08:10:26 © SZ/cag