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Filmtipp des Tages:Dem Leben so nah

"Bester Spielfilm" im Werkstattkino

Zwischen Nudisten-Camp und Gated-Community liegen meist Welten, und gleichwohl kann das eine vom anderen nur einen Katzensprung entfernt sein. Belen arbeitet als Haushälterin außerhalb von Buenos Aires in einem spießbürgerlichen Hause, und stellt eines Tages fest: Nebenan lebt ein tollkühner Haufen und pflegt ein Dasein zwischen Orgien, Naturerlebnis und Esoterik. Zunächst verstört und irritiert, entwickelt sie allmählich eine Faszination an Ort und Lebensstil. "Die Liebhaberin" paart eine unermessliche Gesellschaftswahrheit und den Hauch einer surrealistischen Ästhetik mit einem Humor, der eines Britens würdig ist. Dabei ist Regisseur Lukas Valenta Rinner Österreicher. Für ihn sei es eine Notwendigkeit "Filme zu schaffen, die eine Diskussion darüber anregen, wie Körper und menschliche Beziehungen in unserer Gesellschaft dargestellt werden." Mit diesem Film ist ihm das definitiv gelungen. Ausgezeichnet im vergangenen Frühjahr bei der Diagonale als "Bester Spielfilm" werden Mittelstandsspießer und Sex-Hippies auf die Schippe genommen, ohne abgestempelt zu werden.

Die Liebhaberin, Österreich/Korea/Argentinien 2016, Regie: Lukas Valenta Rinner, bis Mi., 22. November, tägl. 20.15 Uhr, Werkstattkino, Fraunhoferstr. 9

© SZ vom 20.11.2017 / ALHE
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