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Filmpremiere:Handlungstotalausfall

Die Filmadaption des Computerspiels "Warcraft" des Regisseurs Duncan Jones landet in purer Langeweile.

Von David Steinitz

Zunächst einmal ist dies wohl kein Film für AfD-Sympathisanten, weil es um eine Art Fantasy-Flüchtlingskrise geht und man nun auch im Blockbuster-Kino nicht von Asylanträgen verschont wird.

Im Actionspektakel "Warcraft - The Beginning", frei nach der erfolgreichen Computerspielserie, ist der Ork-Planet Draenor unbewohnbar geworden. Daher müssen sich die großen grünen Orkmonster nach einer neuen Heimat umsehen und interessieren sich sehr für den Menschen-Planeten Azeroth, dessen Eroberung ganz oben auf ihre To-do-Liste wandert. Es kommt zum Clash der Zivilisationen und zu einer gewaltigen Schlacht - aber auch zu viel Amore, weil sich ein muskulöses Menschlein in eine sexy Ork-Lady mit spitzen Zähnen und engem Kostümchen verliebt.

Trotz dieses Handlungstotalausfalls gab es einen guten Grund, diesen Film nicht schon vorab zu hassen. Denn die Regie hat der ausgezeichnete Filmemacher Duncan Jones übernommen, der zu Beginn seiner Karriere schwer daran zu knabbern hatte, dass er überall nur als Sohn von David Bowie wahrgenommen wurde.

Das änderte sich rasch, denn Jones legte nach ein paar Videoclips mit dem Science-Fiction-Film "Moon" und dem Thriller "Source Code" zwei wirklich außergewöhnliche Kinowerke vor. Damit empfahl er sich als idealer Regisseur für die vertrackte Aufgabe, klassisches Hollywood-Entertainment und wildes Independent-Kino miteinander zu versöhnen. Was er aus dem "Warcraft"-Stoff machen würde, durfte man also mit Spannung erwarten.

Film Warcraft

Gewaltig große Eckzähne, aber trotzdem kein Sexappeal.

(Foto: Verleih)

Die Filmrechte daran wurden schon vor zehn Jahren von einem Hollywoodstudio akquiriert. Das "Warcraft"-Universum, das es seit 1994 gibt und als Online-Rollenspiel in seiner vierten Auflage seit 2004 zum Superhit wurde, hatte sich zur ziemlich sicheren Blockbuster-Nummer entwickelt. Nur warum? Ginge es nur um eine Fantasiewelt, wie sie sich ein paar betrunkene "Herr der Ringe"-Fans nach dem fünften Bier am Hobbitstammtisch ausdenken könnten, wäre um die Saga kein Hype entstanden. Aber der Kosmos dieses Spiels wird quasi von der weltweiten Schwarmintelligenz seiner Nutzer getragen und ständig ausgebaut - das macht es so spannend. Über 100 Millionen Spieler sind inzwischen bei "World of Warcraft" angemeldet und gestalten es mit, was das Rollenspiel zu einer modernen Variante des Geschichtenerzählens und -erlebens macht.

Dieses Spiele-Experiment, in Kombination mit dem experimentierfreudigen Regisseur Duncan Jones, der zu dem Projekt stieß, als schon mehrere andere Filmemacher das Handtuch geworfen hatten, hätte im Kino durchaus Sex-Appeal haben können. Und zwar sowohl für die manischen Fans als auch für "Warcraft"-Neulinge.

Nur ist der Film "Warcraft: The Beginning", der die zu befürchtende Fortsetzungsorgie bereits im Titel trägt, leider sehr schlecht geworden. Menschen und Orks befinden sich im Krieg, doch noch schwerer als die Waffen, die hier zum Einsatz kommen, wiegen die miserablen Dialoge, die sie sich in diesem Fantasy-Gehege an den Kopf werfen müssen. Sprachlich bewegt sich der Film auf dem Niveau lausiger Fan-Fiction. Sagt ein Ork zum anderen: "In zwei Sonnen werden die Menschen, die wir gefangen haben, als Nahrung für das Portal dienen."

Auch darüber könnte man mit viel Mut und Bier vielleicht noch hinwegsehen, wenn Jones nicht in die offensichtliche Falle dieses Adaptionsvorhabens getappt wäre: "Warcraft" ist als Rollenspiel im Netz so erfolgreich, weil es auf Partizipation angelegt ist und so die Aufmerksamkeit seiner Spieler bindet und permanent neue Teilnehmer anfixt. In dem biederen dramaturgischen Korsett, in das Jones seine "Warcraft"-Adaption presst, fühlt es sich aber für den Zuschauer so an, als müsste er 123 Minuten lang einer anderen Person beim Computerspielen zusehen - es ist unfassbar langweilig.

Warcraft, USA 2016 - Regie: Duncan Jones. Buch: Charles Leavitt, Duncan Jones. Kamera: Simon Duggan. Mit: Travis Fimmel, Paula Patton, Ben Foster, Dominic Cooper. Universal, 123 Minuten.

© SZ vom 27.05.2016

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