Film Auf Expansionskurs

Das Filmland Bayern will hinaus in die Welt und ist dafür bestens gerüstet: Der Bayerische Film-Fernseh-Fonds unterstützt internationale Koproduktionen, die auf Englisch entweder im Ausland oder mit internationaler Besetzung in Deutschland gedreht werden

Von Josef Grübl

Das Rennen zwischen Sternenkriegern und Schulverweigerern hat sich erst auf den letzten Metern entschieden, als Sieger gingen die Problemschüler aus der 10b hervor. Die von der in München ansässigen Constantin Film produzierte Komödie "Fack ju Göhte 2" lockte im gerade zu Ende gegangenen Jahr sagenhafte 7,6 Millionen Zuschauer in die Kinos, mehr als jeder andere Film. Das konnte selbst das kurz vor Weihnachten gestartete "Star Wars"-Abenteuer nicht mehr aufholen. Es lief aber nicht nur für diese beiden Blockbuster bestens. 2015 war ein Rekordjahr, erstmals wurde in den Kinos mehr als eine Milliarde Euro Umsatz gemacht. Dazu trugen auch deutsche Filmerfolge bei wie "Er ist wieder da", "Der Nanny" oder "Frau Müller muss weg", die bei ihren jeweiligen Zielgruppen bestens ankamen.

Lena Schömann hat die "Fack ju"-Hits für die Constantin Film produziert; die Münchner Produzentin steht für eine junge Generation von Filmemachern, die ausgiebig Marktforschung betreiben und ihrem Publikum das liefern, was es sehen will. Das kommt nicht nur hierzulande gut an: "Die 'Fack ju Göhte'-Filme haben sich sehr gut ins Ausland verkauft", so Schömann, in mehreren osteuropäischen Ländern waren sie Nummer eins der Kinocharts. In Mexiko wurde sogar ein Remake des ersten Teils gedreht, es soll 2016 den lateinamerikanischen Markt erobern. Aber nicht nur kommerziell ist der deutsche Film auf Expansionskurs: Der in München ansässige Fachverband "German Films" verweist in seiner Jahresbilanz auf 2700 Programmierungen und etwa 300 Auszeichnungen für nationale Filme und Koproduktionen bei großen internationalen Festivals.

Aus bayerischer Sicht besonders erfolgreich waren die vom BR koproduzierte Whistleblower-Doku "Citizenfour", die mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde und Festivaldauergäste wie "Im Labyrinth des Schweigens", "Ein letzter Tango" oder "Elser". Der deutsche Film ist international geworden, dieser Trend wird sich 2016 noch verstärken: Hollywoodstars wie Emma Watson ("Colonia Dignidad") oder Hugh Jackman ("Eddie the Eagle") spielen Hauptrollen in deutschen Koproduktionen, gedreht wird in solchen Fällen natürlich auf Englisch.

Aber auch die deutschsprachigen Filme suchen ihr Glück in der Ferne: Im Februar startet die in Südafrika entstandene Buddy-Komödie "Der geilste Tag" mit Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer. Doris Dörrie reiste nach Japan, ihr Film "Grüße aus Fukushima" kommt im März. Soweit ist Marcus H. Rosenmüller noch nicht, aber auch den bayerischen Vorzeigeregisseur zieht es für seinen nächsten Film ins Ausland: Er will die Lebensgeschichte des deutschen Torwarts Bernd Trautmann nacherzählen, der im England der Nachkriegszeit zur Legende wurde.

Gedreht wird auch hier auf Englisch, die erste Klappe soll im Sommer 2016 fallen. Es ist das erste internationale Projekt der Münchner Produktionsfirma Lieblingsfilm, Geschäftsführer Robert Marciniak sagt, dass sich das aufgrund der Geschichte so ergeben habe. Darüber hinaus spielen auch finanzielle Gründe eine entscheidende Rolle: "Wenn ein Stoff eine bestimmte Größenordnung erreicht, stößt man in Deutschland oft an seine Grenzen. Dann kann man ihn nur noch mit internationalen Partnern realisieren." Marciniak und sein Produktionspartner Philipp Budweg wollen "Trautmann" gemeinsam mit einer britischen Firma auf die Beine stellen, erst vor kurzem erhielten sie vom Film-Fernseh-Fonds Bayern (FFF) eine Förderzusage von zwei Millionen Euro.

Bayern will internationaler werden, beim FFF gibt es daher einen eigenen Fördertopf für solche Projekte. Bisher waren es vor allem Filmemacher aus den USA, England oder Skandinavien, die die Förderauflagen erfüllten: Ihre Filme hatten deutsche Koproduktionspartner, ein Mindestbudget von fünf Millionen Euro und wurden zumindest teilweise hier gedreht. Der finnisch-englisch-deutsche Actionthriller "Big Game" mit Samuel L. Jackson entstand in München und Garmisch-Partenkirchen, FFF-Chef Klaus Schaefer verbucht ihn als Erfolg: Die Produzenten hätten schließlich einen Hollywoodstar nach Bayern geholt, Werbung für den Standort gemacht und nach der Kinoauswertung auch noch Fördergelder zurückbezahlt.

Aktuelle deutsche Koproduktionen: "Eddie the Eagle" wartet mit Hollywoodstars auf wie Hugh Jackman und Taron Egerton auf (links oben), "Snowden" entstand in den Studios in Geiselgasteig (Joseph Gordon-Levitt, rechts oben), und "Colonia Dignidad" mit Emma Watson und Daniel Brühl (links unten) setzt auf die internationale Besetzung. Doris Dörrie drehte "Grüße aus Fukushima" in Japan (rechts unten).

(Foto: 20th Century Fox, Universum Filmverleih, Majestic Filmverleih (2))

"Das war unser erstes Projekt, das wir im Bereich 'Internationale Koproduktionen' gefördert haben", sagt Schaefer. "In Deutschland ist der Film nur mäßig gelaufen, international ließ er sich aber gut verwerten." Schon bald soll das nächste große Bayern-Ding für noch mehr Furore sorgen: Oliver Stone drehte im Frühjahr 2015 dank eines üppigen FFF-Zuschusses in München, sein Spielfilm über Edward Snowden startet dieses Jahr weltweit in den Kinos.

Dass Snowdens Geschichte gar nicht in Bayern spielt, ist nebensächlich. Exotische Film-Locations lassen sich auch in den Studios in Geiselgasteig herstellen, viel entscheidender sei für die Macher etwas anderes: "Als erstes stellt sich die Frage, ob es eine filmische Infrastruktur gibt und ob man vor Ort gute Leute findet", sagt Schaefer bei einem Gespräch in seinem Büro und verweist auf bayerische Traditionsfirmen wie die Bavaria Film oder Arri. "Die zweite Frage dreht sich immer ums Geld." Ohne finanzielle Anreize lassen sich keine Filme ködern, das ist überall auf der Welt so.

Nur deshalb drehten Superstars wie George Clooney oder Brad Pitt in den vergangenen Jahren so oft in Berlin, auch Woody Allen ließ sich seine europäischen Metropolen-Filme kräftig bezuschussen. Der FFF Bayern hat pro Jahr drei Millionen Euro für internationale Koproduktionen zur Verfügung, allzu große Sprünge machen kann man damit nicht. Deshalb sollen die Mittel 2016 erhöht werden: "Ich gehe davon aus, dass wir jährlich 1,2 Millionen Euro zusätzlich bekommen werden", so FFF-Chef Schaefer. Ob er damit den nächsten großen Kassenknüller aus Bayern fördert, wird sich noch zeigen.

Über die Hits des neuen Kinojahres lässt sich ohnehin nur spekulieren, gesetzte Blockbuster wie "Fack ju Göhte" gibt es in den kommenden zwölf Monaten aber kaum. Vielleicht wieder 2017, das mag Produzentin Lena Schömann aber noch nicht verraten: "Es steht noch nicht fest, ob wir einen dritten Teil machen."