Festspielhaus Sekt und andere Leitmotive

Der Sänger Chris Murray mit einem dicken Fisch.

(Foto: Michael Böhmländer)

Was die Füssener Kurzversion von Wagners "Ring" alles in sich hat

Von Sabine Reithmaier, Füssen

Jeder bewältigt seine Kindheitserfahrungen anders. Frank Nimsgern wuchs mit Wagner-Opern auf, sein Vater ist der berühmte Wagner-Sänger Siegmund Nimsgern. Den "Ring des Nibelungen" fand er schon immer ein bisschen lang. Vier Abende, 16 Stunden - das braucht nicht jeder. Weil er als Kind gelegentlich in der ersten Reihe einschlief, obwohl Carlos Kleiber dirigierte, dachte er schon früh darüber nach, ob eine Verkürzung des Wagnerschen Opus nicht sinnvoll wäre. Es dauerte allerdings noch etliche Jahre, bis das Theater Bonn 2006 dem Komponisten und Produzenten den Auftrag erteilte, den Stoff für eine Musicalbühne aufzubereiten. "Da wusste ich, es gibt einen Gott", erinnert sich Frank Nimsgern, als er von der Genese seines Stücks erzählt.

Mehr als zehn Jahre nach der Uraufführung kommt das Musical mit ihm als musikalischen Leiter jetzt nach Füssen in "Ludwigs Festspielhaus". Keine Frage, der Stoff passt dort gut hin, nicht nur weil man vom Festspielhaus einen Blick auf Schloss Neuschwanstein hat, Zeugnis der tiefen Verehrung, die der Märchenkönig Richard Wagner entgegenbrachte. "Der Ring" passt auch gut zur Kernproduktion des Hauses, dem Musical "Ludwig²", das die Lebensgeschichte des Königs erzählt. Für letzteres hat sich Festspielhausretter Manfred Rietzler vertraglich die Aufführungsrechte bis 2029 gesichert. "Wir wollen noch zehn Jahre mit Ludwig durchhalten", bestätigte auch Theaterdirektor Benjamin Sahler. Er hatte mittels Crowdfunding 2016 das Musical zurück an den Forggensee gebracht - das Theater hatte er damals nur für 21 Vorstellungen gemietet. Trotz der plötzlichen Insolvenz des Festspielhauses exakt zehn Tage vor der Premiere schaffte er es dank eines verständnisvollen Insolvenzverwalters, das Musical dort erfolgreich aufzuführen. Seither ist "Ludwig²" die Hauptattraktion des Hauses, 60 Mal ist die Show heuer zu sehen.

Bevor aber Ludwig II. Ende Dezember wieder auf die Bühne tritt, kommt im November "Die Päpstin", ein Musical des Komponisten Dennis Martin, basierend auf Donna Woolfolk Cross' historischem Roman. Eine komplette Neuinszenierung, wie Regisseur Sahler versichert; er muss es wissen, hat er doch das in Fulda uraufgeführte Musical erst im Vorjahr in Neunkirchen/Saar und Anfang des Jahres in Stuttgart inszeniert.

Aber jetzt ist erst einmal "Der Ring" dran. Wer alle zwölf Leitmotive Wagners erkennt, die Nimsgern eingebaut hat, erhält eine Kiste Cremant, kündigte der Komponist auf der Pressekonferenz zur Füssener Programmvorstellung an. "Aber dafür muss derjenige ins Festspielhaus kommen." Der "Ring" sei im Übrigen eine Wagner-Hommage, keine Verulkung. "Hier wird nicht der Ring eingedampft, sondern es ist ein neues Stück mit einer eigenständigen Musiksprache", unterstreicht Frank Nimsgern. "Danke Richie, dass du mich so inspiriert hast." Was Sänger Chris Murray, begleitet vom Komponisten an der Gitarre, dann als Kostprobe zum Besten gibt, hört sich nach einem eingängigen, effektvollen Stilmix aus Rock und Funk an, Ohrwürmer inklusive.

Übersichtlicher als bei Wagner ist auch der Plot. Die gesamte Handlung beschränkt sich auf vier Personen. Der Zwerg Alberich (Chris Murray) besitzt den Ring. Wotan, der Göttervater (Jan Amman), holt ihn sich mit Gewalt. Um sich zu rächen, erschafft Alberich Siegfried (Christopher Brose), zunächst eine seelenlose Kampfmaschine, der ihm den Ring zurückholen soll. Doch Siegfried verliebt sich in Brunhild, Wotans Tochter (Anke Fiedler), die der Vater verstoßen hat. Und das verändert natürlich alles. Regie führt Reinhardt Friese, die Choreografie hat Marvin A. Smith übernommen. Und: Der Abend dauert nur zweieinhalb Stunden - gerade mal so lang wie bei Richard Wagner der Vorabend "Das Rheingold".

Der Ring, sechs Aufführungen von 5. bis 14. Oktober, Ludwigs Festspielhaus, Füssen