Fernsehfilm "Treuepunkte" Hausfrauenhumbug

Durchschnitt in der Totalen: Das ZDF verfilmt einen Susanne-Fröhlich-Bestseller und scheitert wieder einmal beim Versuch, lustig zu sein.

Von Christian Mayer

Seit die Serie "Desperate Housewives" läuft, wissen wir, dass Hausfrauen gefährlich sind. Die Heldinnen aus der Wisteria Lane pflegen ihre Lieb- und Feindschaften, vor allem sind sie bei ihren Verzweiflungstaten unberechenbar - für die Zuschauer kommt dabei gute Unterhaltung heraus.

Versucht ihren Mann als Fremgeher zu entlarven: Christine Neubauer in "Treuepunkte".

(Foto: Foto: dpa)

Die deutsche Hausfrau ist sanftmütiger. Sie wartet mit geschlossenen Augen an der Tür, wenn sie sich morgens von Kindern und Ehemann verabschiedet - dann ist das Kussritual fällig.

Aber wehe! Eines schönen Morgens in der Reihenhaussiedlung verhält sich der Gatte merkwürdig, er weicht ihr aus und berührt nur andeutungsweise ihre Wange. Ein böses Omen, wie der Zuschauer mit öffentlich-rechtlich geschultem Blick erkennt, doch die Gattin ist zu sehr mit ihrem Organisationskram beschäftigt, um die Symbolik zu verstehen.

"Treuepunkte" heißt der ZDF-Fernsehfilm, der auf dem Bestseller von Susanne Fröhlich ("Moppel-Ich") basiert und die eher komischen Versuche einer Familienmanagerin erzählt, ihren Mann (Martin Lindow) als Fremdgänger zu entlarven.

Christine Neubauer weiß bei ihrem Ehefrauen-Einsatz, was sie ihrer Produzentin Regina Ziegler schuldig ist: die Darstellung einer grundsympathischen Übermutter und patenten Mustergattin.

Klischees zur besten Sendezeit

Täglich sammelt sie Treuepunkte, um mit dem Erlös irgendwann in ehelicher Eintracht nach Venedig reisen zu können. Wenn sie sich mal gehen lässt, schmiedet sie keine Rachepläne, sondern trinkt den Weinkeller leer, heult allein in der Oper und geht mit ihrem verklemmten Arbeitsvermittler, der sofort in Liebe entbrennt, beim Griechen Sirtaki tanzen - bis der arme Mann einen allergischen Anfall bekommt.

Ärgerlich ist an diesem Komödienversuch (Regie: Thomas Nennstiel) eine Menge; am wenigsten die Hauptdarstellerin, die in ihrer Wohlfühlwohnung zwar oft mit den Augen rollt, aber vor dem großen Abenteuer zurückschreckt. Doch das Drehbuch sieht für sie Sätze vor, die auch für diesen Film stehen könnten: "Wo keine Überraschung ist, kommt irgendwann die Langeweile angekrochen - wie Lava." Zäh fließen die Dialoge, und damit noch der Letzte kapiert, dass die Hausfrau einen Verdacht hegt, muss sie ihre Gedanken laut vorsagen, als sie die Taschen des Gatten durchsucht.

Auf irgendwelche Brüche, auf überraschende Wendungen wartet man vergeblich, zur besten Sendezeit wird der Zuschauer mit Klischees ruhig gestellt; die Figuren müssen sich vor der Kamera drehen und wenden, bis sie in der Totale des absoluten Durchschnitts verharren.

Fehlt nur noch der Verführer-Typ. Was ein Gigolo ist und mit welchen Spielchen sich selbst gebildete Milliardärinnen ins Bett kriegen lassen, konnte man in den vergangenen Tagen eindrucksvoll erfahren. Der Ehefrauen-Tröster in "Treuepunkte" ist ein phantasieloser Gockel mit Gelfrisur. Erst bittet er beim Klassentreffen um einen Kuss, der im vor zwanzig Jahren verwehrt wurde, dann will er beim Date in seiner Designerwohnung gleich die Hosen fallen lassen.

An diesem Punkt wendet sich selbst die deutsche Hausfrau mit Grauen ab. Das ZDF hat versucht, lustig zu sein, es hat sogar den Komiker Dirk Bach für eine Nebenrolle engagiert - aber herausgekommen ist bloß eine Art deutsche Pilcher-Klamotte, die an ihrer Harmoniesucht erstickt.

Treuepunkte, ZDF, 20.15 Uhr.