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Fantasie:Grausame Dummheit

J.K. Rowling erzählt das Märchen vom Ickabog, in dem ein dummer König und seine grausamen Freunde von zwei Kindern erfolgreich bekämpft werden.

Von Roswitha Budeus-Budde

Ursprünglich war es eine Gute-Nacht-Geschichte für ihre eigenen Kinder, erzählt J. K. Rowling im Vorwort zu ihrem neuen Kinderbuch. Dann aber lag "Der Ickabog" 10 Jahre unvollendet auf dem Dachboden, erst kürzlich hat sie ihn kostenlos ins Internet gesetzt, für die jungen Leser, die durch die Covid-Pandemie gezwungen waren zu Hause zu bleiben. Die Kinder sollten ihr in einem Mal-Wettbewerb Bilder dazu schicken. Eine Auswahl davon ist jetzt im Buch veröffentlicht und sie zeigt die naive kindliche Sicht und das Vergnügen an diesem Märchen. Das auch die Grausamkeiten verkraftet, die das Genre typischerweise enthält, wenn es beginnt: "Es war einmal".

Die Kinder werden bald eine Gefahr für den Schurken

Erzählt wird vom kulinarischen Paradies Schlarafien. J. K. Rowling macht es sichtlich großen Spaß, auch durch ihre eigenen Kinder angespornt, in sehr bildhafter fantasievollen Sprache das gute Leben hier zu schildern. (Der erwachsene Leser erinnert sich an Brueghels Schlaraffenland.) Alle leben glücklich und zufrieden, bis auf die Bewohner in der düsteren Marsch, in der nach einer Legende der Ickabog haust, ein menschenfressendes Monster, ein Schrecken für die Kinder.

Diesem guten Leben droht Gefahr durch Dummheit und Gier. König Fred, der in seiner Burg in prächtigen Gewändern Hof hält und vom Volk geliebt wird, wenn er huldvoll winkend zur Jagd geht, ist ein strunzdummer, naiver Herrscher, der das Opfer seiner zwei "besten Freunde wird". Das sind Lord Schlabberlot, ein gemeiner Fettsack, und Lord Spuckelwert, der, gerissen und schlau, das absolut Böse, das Land unter seine Herrschaft bringen will, um sagenhaft reich zu werden. Diesem dubiosen Trio stehen natürlich, wie immer im Märchen, die Guten gegenüber. Hier sind es zwei Kinder, die tapfere Lilli Lerchensporn, die ihre Mutter durch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen am Hof verlor, und ihr Kinderfreund Wim Wonnegleich, dessen Vater von Lord Spuckelwert erschossen wurde. Der durchschaute die Intrige des Schurken, beim König Angst vor dem Ickabog zu schüren und aus dem Volk Steuern zu pressen, um den Kampf gegen das vermeintliche Monster zu finanzieren.

Die Kinder werden bald eine Gefahr für den Schurken. Mit dem dramatischen Wettlauf um ihr Leben bringt die Autorin ungewöhnliche Spannung in die abenteuerliche Geschichte, lässt noch zahlreiche Nebenfiguren auf beiden Seiten kämpfen und spart nicht mit Grausamkeiten. Der Schluss ist voller Überraschungen, in denen der Ickabog noch eine besondere Rolle spielt: "Und wenn die glücklichen Menschen von Schlarafien nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute." (ab 12 Jahre)

J. K. Rowling: Der Ickabog. Aus dem Englischen von Friedrich Pflüger. Carlsen 2020. 346 Seiten, 20 Euro.

© SZ vom 24.11.2020
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