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Erinnerungskultur:Denkmäler im Englischen Garten

Das Denkmal für den Gartenbauer Reinhard Werneck im Englischen Garten zu München.

(Foto: Brembeck)

Von Reinhard J. Brembeck

Denkmäler, zumal die von Menschenschindern, Rassisten und Militärs, haben es gerade schwer. Sie sollen weg, und niemand mag das bedauern. Zumal die meisten künstlerisch Schrott und allenfalls der Erinnerungskultur förderlich sind, die darauf hinweisen will, dass es Scheusale gegeben hat, die eine großen Anhängerschaft hatten und manchmal noch haben. Nun steht im Englischen Garten in München kurz vor der ihn brutal zerschneidenden Stadtautobahn ein besonders scheußliches und besonders großes Denkmal, zu allem Überfluss auch noch auf einem kleinen Hügel. Der Flaneur, erheitert vom ersten Postcorona-Bier, das er im Biergarten am nahen Kleinhesseloher See zu sich genommen hat, runzelt die Stirn, als er liest, das Monster sei einem "Gen. Lieutn. von Werneck" gewidmet. Doch bevor er wütend die Hacke der wohlfeilen Empörung ansetzt, sollte er weiterlesen, um zu erfahren, dass der Mann von seinem König geehrt wurde wegen "Verschönerung dieses Gartens durch erste Anlage des Sees". Aha, ein Militär mit Seele. Reinhard Werneck ließ auch den Chinesischen Turm errichten, denn er war sechs Jahre lang Chef des Gartens, den sein Vorgänger Benjamin Thompson, bekannt für die nach seinem Adelstitel benannte nahrhafte Armenätzung Rumfordsuppe, als Militärgarten angeregt hatte, zu dem in Friedenszeiten auch das Volk Zugang hatte. Dem Menschenfreund Rumford alias Thompson ist am Südende des Gartens ein ebenfalls hässliches Denkmal gesetzt, das wortreich mit "Lustwandler steh!" anhebt und den Helden bejubelt. Ein drittes Denkmal feiert den "sinnigen Meister schöner Gartenkunst" Friedrich Ludwig Sckell, es steht auf einer Halbinsel in Wernecks Kleinhesseloher See, den Wolf Wondratschek bedichtete. Da geht es um Dirigenten, die Hände in den Hosentaschen, um Rilke, Thomas Mann und: "Bertolt Brecht hatte ganz andere Pläne, ohne Wahn und ohne Schwäne. Er studierte beim Starkbier die einfachen Leute. Das gleiche tat Adolf Hitler; er hatte bis heute beim deutschen Volk den größten Erfolg." Sie alle haben kein Denkmal im Garten gekriegt, nur Werneck, Rumford, Sckell. Deren Denkmäler aber sollen bleiben: "Der Staub vergeht / Der Geist besteht."

© SZ vom 27.06.2020

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