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Disneys Privatkrieg:Und raus bist du

"Star Wars" sind manchmal nicht auf der Leinwand, sondern hinter den Kulissen besonders spannend. Wie eben jetzt, da das Disney-Studio bereits zum vierten Mal einen Regisseur aus einer laufenden Produktion abzieht.

Von David Steinitz

Deutlich spannender als jeder neue "Star Wars"-Film es sein könnte, ist derzeit das Theater hinter den Kulissen dieser Blockbuster-Maschine. Am Dienstag gab Disney in einem nüchternen Statement bekannt, das Studio und der Regisseur Colin Trevorrow, der die kommende Episode - "Star Wars IX" - hätte inszenieren sollen, würden ihre Zusammenarbeit beenden. "Wir sind gemeinsam zu der Einsicht gekommen, dass wir unterschiedliche Vorstellungen von dem Projekt haben", heißt es laut Variety darin. Aber in Hollywood gilt meistens: je nüchterner das Statement, desto größer der Streit, der dahinter steckt.

Der Regisseur Trevorrow hatte vor einigen Jahren die hübsche kleine Indie-Komödie "Safety Not Guaranteed" gedreht, mit der er den Hollywoodproduzenten Frank Marshall auf sich aufmerksam machte. Der verhalf ihm 2015 zu seinem Blockbusterdebüt "Jurassic World", das sehr viel Geld einspielte. Die Ehefrau von Frank Marshall ist Kathleen Kennedy, die für Disney die "Star Wars"-Filme produziert, seit die Firma die Rechte vom Erfinder George Lucas erworben hat. Sie rekrutierte ihn umgehend für "Star Wars".

Vermutlich um sich vor dem anstrengenden Dreh noch mit einer kleinen künstlerischen Fingerübung zu entspannen, drehte der Regisseur noch schnell den Low-Budget-Thriller "The Book of Henry", der in den USA in diesem Sommer aber dermaßen floppte und so miserable Kritiken bekam, dass man bei Disney wohl nervös wurde. Erst wurde ein neuer Drehbuchautor geholt, der sein "Star Wars"-Skript umschreiben sollte, nun zog man vorsichtshalber ganz den Stecker. Einen Nachfolger wurde noch nicht bekannt gegeben.

Die Geschichte wäre vermutlich nur eine Hollywood-Randnotiz, wenn Trevorrow nicht schon der vierte Regisseur wäre, den das Disney-Studio von einer laufenden "Star Wars"-Produktion abzieht. 2015 trennte man sich von Regisseur Josh Trank schon in der Vorproduktion; 2016 wurde Gareth Edwards während der Postproduktion von "Rogue One" abgelöst, sein Kollege Tony Gilroy drehte Szenen für eine neue Schnittfassung; diesen Sommer dann wurde das Regie-Duo Phil Lord und Chris Miller mitten im Dreh zu einem "Han Solo"-Spin-off-Film gefeuert und durch den Veteranen Ron Howard ersetzt; und nun die Sache mit Trevorrow.

Was wohl als nächstes passiert? Sagen wir es mit dem großen Jedi-Meister Yoda: "Schwer zu sehen, in ständiger Bewegung die Zukunft ist."

© SZ vom 07.09.2017

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