Die besten Werbespots: Cannes Lions 2011 Nach getaner Arbeits gibt's ein Heineken

Fabio Cannavaro-- Gnade seiner italienischen Sozialisierung - hat gar nicht erst Angst vor dem Versagen: Souverän verhindert er mit einem Fallrückzieher im letzten Moment ein Tor von Didier Drogba, der - Afrika: Wiege der Menschheit - den Ball zu Beginn des dreiminütigen "Fußballkrimis" aus dem Himmel empfängt. Genüsslich lässt er sich von einem greisen Schlagersänger besingen und von halbnackten Mädchen umtanzen.

Protagonist der dritten Sequenz dieses "Epos" unter der Regie von Alejandro González Iñarritu ist schließlich Cristiano Ronaldo, der von der Verfilmung seiner Lebensgeschichte mit Gael García Bernal träumt - und einem Besuch bei Homer Simpson. Damit seine Träume wahr werden, muss er den Freistoß versenken: Er setzt an, Schnitt, "Write the Future"! Ein Open End, wie es sich fürs große Kino gehört. Dazu eine Masse an Stars und ein Budget, das jenes von Iñarritus Kino-Debüt "Amores Perros" (zwei Millionen US-Dollar) bei weitem übersteigt. Die Zukunft schreiben, das sollen aber nicht nur die Schon-Stars, sondern auch all die kleinen Fußballer auf dieser Erde: Nike gibt ihnen "The Chance" - so heißt das laufende Marketing-Programm, das in verschiedenen Ländern unentdeckte Ball-Talente fördern will.

Goldene Löwen gab's für 14 weitere Spots, und alle erzählen sie von Helden. Bei einer Diplomaten-Feier brilliert ein No-Name mit charmanter und weltläufiger Kompetenz, hält jedem Kulturvertreter das passende Talent entgegen, von Basketball über Kung Fu, Zaubertricks, Artistik und Tanzen bis zum virtuosen Querflötenspiel - und nach getaner Arbeit gibt's ein Heineken.

Auch der junge Bursche, der von seiner Freundin erstmals der Familie vorgestellt wird, hat für alle etwas zu bieten: Er liebt das Gitarrenspiel wie die Großmutter, fusioniert Tango nach dem Geschmack des Bruders mit Rock, der Mutter macht er Komplimente für die Suppe, dem kleinen Bruder zaubert er ein Origami-Dino, und studieren tut er dasselbe wie der Vater, nämlich Neurochirurgie - er ist "loved by everybody". Das soll auch für das H2Oh-Wasser gelten, das auf dem Tisch steht.

Die "Carlton Draught"-trinkenden englischen Jungs im Pub dagegen, dick, hässlich, trottelig, eignen sich scheinbar nicht zum Heldentum, aber mit Super Slow Motion und Operngesang, wie es Lars von Trier in "Antichrist" vorgemacht hat, lassen sogar sie sich zu Filmstars adeln.

Selbst den schmächtigen, frühreifen Teenagern, die beim Anblick hübscher Frauen eine anormale Schweißproduktion im Stakkato eines unfreiwilligen Samenergusses entwickeln, kann geholfen werden - mit Axe, das ihre "Premature Perspiration" kontrolliert. Und während die jungen Angestellten einer Großstadt von der Firma Puma zur "Afterhour-Prominenz" und zu nächtlichen Champions von Darts, Tischtennis oder Kegeln ernannt werden, soll ein Nasenspray jenes Mädchen retten, das von der Lehrerin zur Idiotin erklärt wird, weil es durch den offen stehenden Mund atmet, und darf ein kleiner Junge, verkleidet als Darth Vader, der zunächst vergeblich versucht hatte, die Wirkung seiner übersinnlichen Kräfte zu realisieren, am Ende dank Papa daran glauben, dass der VW seinetwegen den Motor gestartet hat.

Darth Vader könnte freilich auch einen Audi zum Laufen bringen, der Party-Held triumphierend ein Carlton Draught trinken, die Kegler könnten Nike statt Puma und die Fußballstars Puma statt Nike tragen. Viel wichtiger ist: Ob jung oder alt, männlich oder weiblich, von hier oder von dort - alle sollen, dürfen, können Gewinner sein. Die Zukunft der Menschheit wird von Werbern geschrieben, als Heldengeschichten, die endlos erzählt und wiederholt werden können.

Begleitet von unaufhörlichem Augenzwinkern, selbstverständlich! Während wir weiterträumen, zu teure Turnschuhe und zu viel versprechende Deodorants kaufen, um Bierbauch und Achselgeruch unter Kontrolle zu halten. Damit das Karussell sich weiterdreht. Denn dass der Siegerspot "Write the Future" vom Prog-Rock-Jodel-Song "Hocus Pocus" der niederländischen Siebziger-Jahre-Band "Focus" begleitet wird, lässt erahnen, dass im Westen auch in Zukunft mit nichts Neuem zu rechnen ist.

Prominente Werbeträger

Der Bauchladen der Stars