Deutsche GegenwartsliteraturDer Nabel ist die Welt

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Gerhard Henschel, auf seine Anfänge als junger Autor zurückblickend.
Gerhard Henschel, auf seine Anfänge als junger Autor zurückblickend. Frank May/dpa

Seit vierzehn Jahren schreibt Gerhard Henschel seinem Leben hinterher. Nun, in seinem "Erfolgsroman", wird es in den Neunzigerjahren ernst mit den Schriftsteller-Ambitionen.

Von Jörg Magenau

Wenn man ein Tagebuch ins Imperfekt setzt, wird daraus noch lange kein Roman. Da hilft es auch nicht viel, statt "ich" beispielsweise "Martin Schlosser" zu sagen, so wie Gerhard Henschel es praktiziert. Dabei weiß doch jeder, dass dieser Martin Schlosser aus Meppen, der Anfang der Neunzigerjahre eine dörfliche Existenz in Heidmühle erprobt und versucht, als freier Rezensent, Reporter und Satiriker durchzustarten, niemand anders ist als die literarische Version seiner selbst. Literarisch? Er selbst? Das ist die Frage, und genau damit spielt Henschel auch, wenn er so exzessiv das Romanhafte seiner gigantischen, kempowskihaft-monomanen autobiografischen Materialsammlung betont. Ist das Leben schon Literatur, wenn man es aufschreibt, und wird man selbst dadurch zu einer Figur?

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