Das ist schön Mönchische Weisheiten

Der Benediktiner Notker Wolf hat ein schlaues Buch geschrieben

Von Karl Forster

Der Benediktinermönch Notker Wolf, mittlerweile 77 Jahre alt, wird Gläubigen wie Ungläubigen zum einen präsent sein als Meister des klaren Wortes, mit welchem er die Fährnisse des von ihm vertretenen Bekenntnisses sehr allgemein verständlich zu formulieren weiß. Zum anderen aber auch durch seine Liebe zur Musik, die sich dabei keineswegs auf den klangschönen benediktinischen Choral beschränkt, sondern auf einen Bereich strahlt, der früher, als die Political Correctness noch nicht so schräge Blüten getrieben hat, schon mal als "Negermusik", bairisch "Nägamusi", bezeichnet wurde. Spielt er doch sehr anständig Gitarre und Querflöte und mit diesen Instrumenten und seiner Band Feedback Werke von den Rolling Stones bis Led Zeppelin. Ja, einmal stand er sogar bei dem Lied vom Genfer See "Smoke On The Water" zusammen mit Deep Purple auf der Bühne.

Das nur vorneweg, um den neuesten Einlassungen des einstigen Abtprimas der Erzabtei Sankt Ottilien das ihnen zustehende Gewicht zu geben. Es geht auch hier wieder weniger um moraltheologische Grundsätze, als vielmehr um lebensnahe und allgemeingültige, also auch weniger katholische Menschen betreffende Weisheiten. Weisheiten, die auch mit dem nahen Jahreswechsel und dem damit verbundenen Ritus des guten Vorsatzes zusammenhängen. Dessen wichtigste Eigenschaft, so Notker Wolf, solle sein, die Lebensfreude zu erhalten. Er hat diesbezügliche Erkenntnisse in einem Büchlein zusammengefasst, das ganz einfach "Gute Vorsätze - beim nächsten Mal wird alles anders" heißt, beim Gütersloher Verlagshaus Random House erschienen ist und 16,99 Euro kostet.

Ohne jetzt die einzelnen dort aufgeführten Ratschläge auf ihre Wirksamkeit zu testen (der, demzufolge ein eher beleibter Mensch sich nicht zur Tanne runterhungern wollen solle, klingt schon mal sehr vernünftig), würde hier wohl auch der Münchner Kulturbetrieb fündig. So könnte beispielsweise der Bayerische Rundfunk sich vornehmen, bei seinem Zweitorchester die Zeitverträge manchen Musikers in feste Bezüge umzuwandeln; es könnte der Kammerspiel-Intendant Lilienthal den Satz "Theater ist ein Theater ist ein Theater" auswendig lernen; es könnte der Kultusminister Spaenle aufhören, so zu tun, als habe er von den ihn betreffenden Dingen wirklich Ahnung; und es könnten die Verantwortlichen in Sachen neuer Konzertsaal einsehen, dass es sinnlos ist, mit der Elbphilharmonie oder gar der Suntory Hall in Tokio konkurrieren zu wollen, weil "uns da die Hose zu weit unten hängt".

So gesehen ist also das jüngste gebundene Wort des Benediktiners Notker Wolf mehr als nur ein weiteres Büchlein im Weihnachtsgeschäft. Es ist vielmehr eine Sammlung kluger Weisheiten, wie es sie gerade von kirchlicher Seite so nicht oft gibt. Und das ist schön.