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Comicfestival in Angoulême:Comic-Künstler und Fachmann

Die gewohnte Qualität garantierten die beiden Angoulêmer Comic-Museen. Eine der am schönsten konzipierten Ausstellungen hat es dabei nicht einmal ins Programmheft geschafft, da die Ausstellung bereits vor dem Comicfestival startete und noch bis zum 11. März im riesigen "Musée de la BD" gezeigt wird. Unter dem Motto "Un autre histoire" ("Eine andere Geschichte") sind Ölgemälde diverser meist französischer oder belgischer Comic-Künstler zu sehen, die mit ausgewählten Comicseiten der jeweiligen Künstler konfrontiert werden. Ein abstraktes Gemälde von Hergé ("Tim und Struppi"), Surrealismus von Victor Hubinon ("Buck Danny") stilistisch erstaunlich eigenständige Malereien von Jijé ("Jerry Spring") - das gibt es nicht alle Tage zu sehen!

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Nicht alle Ausstellungen konnten 2012 in Angoulême überzeugen.

(Foto: AFP)

Im selben Haus wurde auch ein Höhepunkt des Festivals gezeigt. Die Wahl des nicht gerade als pflegeleicht geltenden New Yorker Künstlers Art Spiegelman zum Comic-Präsidenten überraschte zunächst, denn in 39 Jahren gab es bisher nur fünf nicht aus Frankreich oder Belgien stammende Amtsinhaber. Spiegelman lehnte es zwar ab, im Rahmen des Festivals Interviews zu geben. Doch ansonsten erwies er sich als Glücksfall für die Veranstaltung, da er nicht nur ein einflussreicher Comic-Künstler, sondern auch Comic-Fachmann ist.

Der Schöpfer von "Maus" empfindet eine große Liebe zu den prachtvollen klassischen farbigen Comicseiten, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts in den Sonntagsbeilagen der US-Zeitungen veröffentlicht wurden. Doch auch der subversive Humor des Magazins MAD inspirierte den jungen Zeichner. In Angoulême ist es Tradition, dass der jeweilige Festivalpräsident nicht nur eigene Arbeiten, sondern auch seine persönlichen Favoriten ausstellt.

Da das "Musée de la BD" zudem noch über eine riesige, im ständigen Wechsel ausgestellte Sammlung von Originalseiten verfügt, lag es nahe, Spiegelman zu bitten, diesen Ort in ein "privates Museum" zu verwandeln. Er setzte bei der von ihm konzipierten Darstellung der Comic-Geschichte andere Akzente als die stark "frankobelgisch" geprägten Wechselausstellungen des "Musée de la BD". So präsentierte er etwa recht ausführlich Lyonel Feiningers für US-Zeitungen entstandene Comics oder Olaf Gulbranssons locker zu Papier gebrachte Simplicissimus-Seiten.

Direkt gegenüber am anderen Ufer der Charente wurde unter dem Titel "CO-MIX" die zweite Spiegelman-Ausstellung präsentiert. Das architektonisch reizvolle "Bâtiment Castro" zeigt eine Werkschau, die keine Wünsche offen lässt. Das Kernstück sind natürlich Seiten aus Spiegelmans preisgekrönter Graphic Novel "Maus", die noch um eindrucksvolle Skizzen ergänzt wurden. Hier war geradezu hautnah zu spüren, wie Spiegelman mit sich gerungen haben muss, um den passenden Stil für seine Geschichte zu finden. Neben dem Moloch "Maus" drohen Spiegelmans übrige, fast immer bemerkenswerte und originelle Arbeiten zu verblassen, selbst wenn sie wie "Im Schatten keiner Türme" vom 11. September handeln.

Doch es kommt deutlich zum Ausdruck, dass hier jemand, der bereits in frühen Jahren sehr gut zeichnen konnte, sich eher dafür interessiert, die Möglichkeiten des Mediums Comic auszuloten, als an der Raffinesse seiner Zeichnungen zu feilen.

Spiegelmans Doppelausstellung, die noch bis zum 6. Mai in Angoulême präsentiert wird, ist ein spannender Exkurs, der zeigt, wo die Comics herkommen, aber auch, in welch ungewöhnlichen Regionen sie ankommen können. Im nächsten Jahr ist in dieser Hinsicht wohl leider weniger zu erwarten. Es gewann der nur mäßig innovative französische Zeichner Jean-Claude Denis ("Luc Lamarc") den Grand Prix, er wird im nächsten Jahr die Präsidentschaft übernehmen. Trotz der Gäste aus aller Welt ist das Festival in erster Linie immer noch eine Leistungsschau der einheimischen Comiclandschaft, die in diesem Jahr ein wenig zu international ausgefallen ist.

© SZ vom 31.01.2012/cag
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