Bücher von und über Frauen:Versenkt sie!

Bücher von und über Frauen: Sally Rooney (l.), Autorin des Erfolgsromans "Gespräche mit Freunden", und Desfred (r.), Heldin in Margaret Atwoods dystopischem Klassiker "Der Report der Magd". Collage: SZ, Fotos: Fredrik Sandberg/dpa/TT/Tele 5

Sally Rooney (l.), Autorin des Erfolgsromans "Gespräche mit Freunden", und Desfred (r.), Heldin in Margaret Atwoods dystopischem Klassiker "Der Report der Magd". Collage: SZ, Fotos: Fredrik Sandberg/dpa/TT/Tele 5

Das Leben von Frauen und ihr Kampf um Gleichberechtigung wird zum rasend populären Thema der Literatur. Aus der Buchbranche hört man die Behauptung: Literatur mit hauptsächlich männlichen Protagonisten läuft nicht mehr. Verkauft sich einfach schlecht.

Von Marie Schmidt

Aus der Buchbranche hört man relativ einhellig: Literatur mit hauptsächlich männlichen Protagonisten läuft einfach nicht mehr. Interessiert wenige, verkauft sich schlecht, wirkt merkwürdig. Sogar in der neuesten Folge der "Asterix und Obelix"-Comics, diesem beliebten Prügelspaß unter Jungs, musste eine weibliche Hauptfigur her: Adrenaline, Tochter des Vercingetorix, die von der Kriegsseligkeit der Männer eigentlich nichts mehr wissen will und sie damit ganz schön durcheinanderbringt: "Versenkt uns, tut irgendwas", sagt ein Piratenkapitän zu Obelix, "aber ich flehe euch an: Lasst uns zum normalen Lauf der Dinge zurückkehren." Die Beharrungskräfte des Patriarchats sind eben zäh, und das bleibt ein großes Thema in Literatur von, für und über Frauen. Die Literatursensation des Jahres war die Fortsetzung von Margaret Atwoods Klassiker "Der Report der Magd" (1985) über eine fiktive misogyne Diktatur, in der Frauen als Gebärmaschinen gefangen werden. In "Die Zeuginnen" ging es jetzt darum, wie sich der Widerstand gegen dieses Regime entwickelt, aber auch wie Frauen sich an der Unterdrückung der Frauen mitschuldig machen. Die Wiederholung und Neu- Inszenierung des historischen Kampfes gegen die Männerherrschaft und für die Emanzipation konsolidiert sich als populäres Genre. Das Nachdenken über Machtunterschiede in Geschlechter- und Klassenfragen trug auch zum heißesten Debütantenerfolg des Jahres bei: In den Romanen von Sally Rooney, Jahrgang 1991, geht es um sehr junge Frauen, die ihre Stellung im sozialen Gefüge genau spüren, reflektieren und nutzen. Ihr Buch "Gespräche mit Freunden" wurde auch in Deutschland sofort zum Erfolg. Weil es im Kampf um Gleichberechtigung zugleich Fortschritte und Rückschritte gibt, beschäftigt auch die Literatur in dieser Sache die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen.

Marie Schmidt ist Literaturredakteurin im Ressort Feuilleton der SZ.

© SZ vom 01.12.2019
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