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Buchgestaltung:Typografie mit Seidenschal

Der Buchgestalter Friedrich Forssman.

(Foto: Cornelia Feyll)

Der Buchgestalter Friedrich Forssman erzählt in einem Werkstattbericht von seiner Arbeit an Büchern, als Diener der Texte.

Noch vor zwanzig Jahren gab es in jedem größeren Verlag nicht nur eine ganze Abteilung für die Buchentwürfe, sondern auch einen Künstlerischen Leiter, der für einen möglichst hohen Entwurfsstandard und besonders schöne Bücher sorgte. Mancher trug einen langen weißen Seidenschal, damit man ihn gleich erkannte. Heute sind nicht nur die Seidenschalträger verschwunden, es gibt in den Verlagen gleich gar niemanden mehr, dessen Arbeit ausschließlich darin besteht, Büchern ein schönes Gewand zu geben. Die verlagseigene Buchästhetik wurde zur Verschwendung erklärt und ausgelagert. Damit haben sich die Verlage auch der Sachverständigkeit entledigt, Schönheit im Buch überhaupt zu erkennen. Die Kriterien für ein gut hergestelltes Buch liegen in den großen Verlagen heute weitgehend im Dunkeln, das technische Vokabular ist nur noch rudimentär vorhanden. Grafikdesign- und Werbeagenturen werden mit der Druckvorlagenproduktion beauftragt, Handelsagenten entscheiden über die Umschläge nach Marktüberlegungen, und die wichtigsten Kriterien für die Auftragsvergabe bestehen in Preis und Geschwindigkeit. Und so sehen die meisten Bücher aus: außen bunt, innen beliebig und insgesamt lieblos gemacht.

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