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Bester Kurzfilm:"Watu Wote"

Oscar-Anwärter ´Watu Wote" gibt Kenia Hoffnung
(Foto: dpa)

Der einzige deutsche Beitrag, der in diesem Jahr für einen Oscar nominiert ist, ist dieser Kurzfilm von Katja Benrath aus Hamburg.

Von Tatjana Michel

Die Regisseurin Katja Benrath ist die einzige deutsche Filmemacherin, die dieses Jahr für einen Oscar nominiert wurde. Ihr 22-minütiger Mini-Spielfilm "Watu Wote: All of us" ist in der Kategorie für den besten Kurzfilm mit dabei.

Die 38-Jährige geht mit ihrem Werk, das ihr Abschlussfilm an der Hamburg Media School ist, durchaus als Favoritin ins Rennen. Der Film wurde in Kenia gedreht, dort euphorisch aufgenommen und dann zu diversen Festivals eingeladen und ausgezeichnet. Die US-Filmakademie in Los Angeles, die über die Oscars entscheidet, hat an die Regisseurin im letzten Jahr bereits vorab einen Studenten-Oscar vergeben. Dann folgte die offizielle Nominierung.

Bis dahin war es für Katja Benrath ein langer Weg. Zunächst machte sie eine Schneiderinnenlehre am Wuppertaler Theater, wo sie unter anderem für die Choreografin und Tänzerin Pina Bausch arbeitete. Dann folgte eine Schauspiel- und Gesangsausbildung, bevor sie schließlich bei der Filmregie und in Hamburg ankam. Nach mehreren vorangegangenen Kurzfilmen ist "Watu Wote" ihr bislang erfolgreichstes Werk. Die Regisseurin erzählt darin vom schwierigen Zusammenleben von Christen und Muslimen in Kenia. Ihre Protagonistin Jua (Adelyne Wairimu), eine Christin, begibt sich auf eine Reise in den Norden Kenias, um ihre kranke Mutter zu besuchen. Die 31-stündige Busfahrt über staubige Feldwege ist nicht nur beschwerlich, sondern auch gefährlich. In der Grenzregion zu Somalia begehen islamistische Terroristen regelmäßig Anschläge auf christliche Gläubige. Die deutsch-kenianische Koproduktion ist ein Film über den Versuch, Religionsgrenzen zu überwinden, aber auch ein Porträt des Landes und seiner verschiedenen Kulturen. Die Idee dafür basiert auf einer wahren Geschichte, die sich im Dezember 2015 ereignete. Auf einer Fahrt in Kenias Norden wurde ein Reisebus von der Terrorgruppe al-Shabaab überfallen. Sie forderten von den mehrheitlich muslimischen Passagieren unter Waffengewalt die Auslieferung einer christlichen Mitreisenden. Doch diese verkleideten die Christin und riskierten ihr Leben, indem sie sich weigerten, sie preiszugeben, und konnten sie retten. Durch Katja Benraths Film hat es diese Episode nun bis zur Oscarverleihung nach Los Angeles geschafft.

© SZ vom 03.03.2018

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