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Berlin:Daniel Josefsohn: Der Provokateur und Punk ist tot

Daniel Josefsohn

Daniel Josefsohn mit dem Nerzschal seiner Großmutter - den er später auch Frank Castorf um den Hals schlang.

(Foto: Daniel Josefsohn)

Mit seinen Fotografien schuf Daniel Josefsohn eine ganz eigene Ästhetik. Nun ist der Künstler mit 54 Jahren gestorben.

Ein Punk ist tot. Und ein Künstler. Der Fotograf Daniel Josefsohn starb am Samstagmorgen im Alter von 54 Jahren in Berlin. Die Todesursache war zunächst noch unklar. Josefsohn war seit einem Schlaganfall 2012 halbseitig gelähmt. Er hinterlässt seine Lebensgefährtin Karin Müller und ihren gemeinsamen sechs Jahre alten Sohn.

Josefsohn war Fotograf, Provokateur, Visionär. Für ihn stellte sich Charlotte Roche in dreckiger Unterwäsche vor die Kamera, Frank Castorf warf sich einen Nerzschal um, Udo Kier klebte sich ein Polaroid mit nackten Brüsten aufs Hemd. Vom passionierten Skateboarder in den Achtzigern wurde Josefsohn zum passionierten Fotografen: "Früher war das Skateboard die Verlängerung meines Fußes, dann die Kamera die Verlängerung des Arms", zitiert in die Zeit.

"Miststück" und die Stormtrooper

Mit der Plakatkampagne "Miststück" für MTV wurde er einem größeren Publikum bekannt. Auf den schwarz-weiß Aufnahmen junger Frauen prangen Aufschriften wie "Eingebildete Kuh", "Konsumgeile Göre" oder eben "Miststück". Unbequem wollte er sein, sich ja nicht unterordnen, er war schließlich Punk. Zu seinen berühmtesten Bildern zählt das Porträt von vier nackten Frauen, die im Helmut-Newton-Stil posieren, allerdings mit Stormtrooper-Helmen aus Star Wars. Auch er selbst stellte sich mit so einer Maske auf den Tiannanmen Platz, musste kurz darauf vor der Polizei weglaufen.

2012 stieg er auf das Dach des Bayreuther Festspielhauses: "Ein Jude auf Hitlers Pimmel ist so ziemlich das Letzte, was in den Köpfen der Festspielleitung vorkommt", kommentierte Josefsohn im Zeit-Magazin. Auch seine jüdischen Wurzeln und den Nahost-Konflikt thematisierte er immer wieder, etwa in dem Fotoprojekt "Jewing Gun". Mit seinen Bildern hat er eine Ästhetik mitbegründet, die weiter geht als die Provokationen der alten Avantgarden, schrieb die SZ 2014. Aber dann kam der Bruch.

Im November 2012 erlitt Josefsohn einen Schlaganfall. Kein Grund für den Fotografen, das nicht zu thematisieren. Von 2014 an dokumentierte der Künstler für das Zeit-Magazin gemeinsam mit seiner Freundin ein Jahr lang sein Leben vor und nach dem Hirnschlag. Der Blog heißt: "Am Leben".

Tiefe Betroffenheit und Trauer

Die Nachricht vom Tod Josefsohns löste Betroffenheit und Trauer aus. "Die Lücke, die sein früher Tod reißt, ist unermesslich", sagte Vasco Boenisch, Dramaturg des Kunstfestivals Ruhrtriennale. "Zu speziell waren seine Bildideen, zu liebenswürdig war er selber, der Kindskopf, Visionär, Weltklassefotograf." Josefsohn hatte für die gerade gestartete Saison der Ruhrtriennale 2016 einen Meisterkurs für junge Fotografen gegeben. Außerdem fotografierte er selbst für das Projekt "Bude Bett Bargeld".

Der Satiriker Jan Böhmermann, den Josefsohn ebenfalls für das Zeit-Magazin im Stil von Kim Kardashian fotografierte, twitterte: "Auf Wiedersehen, Daniel Josefsohn!"

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