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Bericht über die NS-Zeit von Alfred Bauer vorgestellt:Ehemaler Berlinale-Leiter belastet

Der erste Leiter der Internationalen Filmfestspielen Berlin, Alfred Bauer, hat nach einer neuen Studie eine bedeutendere Rolle im nationalsozialistischen Regime gespielt als bisher bekannt. Nach 1945 habe Bauer seine Stellung in der Filmindustrie in der NS-Zeit systematisch verschleiert, heißt es in einer von der Berlinale in Auftrag gegebenen Untersuchung des Münchner Instituts für Zeitgeschichte (IfZ). Die Erkenntnisse über Bauers Verantwortlichkeiten in der Reichsfilmintendanz und sein Verhalten im Entnazifizierungsverfahren seien bestürzend, erklärte die Geschäftsführerin der Berlinale, Mariette Rissenbeek, am Mittwoch: "Durch die neuen Kenntnisse verändert sich auch der Blick auf die Gründungsjahre der Berlinale."

Der Autor der Studie, der Historiker Tobias Hof, kommt nach IfZ-Angaben zu dem Schluss, dass Bauer durch seine Tätigkeit bei der Reichsfilmintendanz einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Funktionieren des deutschen Filmwesens während der NS-Diktatur und damit zu ihrer Stabilisierung und Legitimierung geleistet habe. Er sei über die gesamte deutschen Filmindustrie bestens informiert gewesen. Hof hatte Untersuchungen zur Geschichte des NS-Films ausgewertet und unter anderem im Bundesarchiv, den National Archives and Record Administration in Washington und der Deutschen Kinemathek recherchiert.

© SZ vom 01.10.2020 / dpa

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