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Baumarkt beansprucht Markenrechte:"Kultivierte Art der Koexistenz finden"

Heute ist Baus' Unternehmen die Nummer zwei in Deutschland, mit 131 Filialen hierzulande und weiteren 99 in Europa. Wegnehmen kann man ihm die Marke nicht mehr, auch wenn es immer wieder zu seltsamen Vermischungen in der Wahrnehmung kommt. Der Baumarkt profitiert nur indirekt vom wohl schillerndsten Begriff der Design- und Architekturgeschichte, er selbst stellt keine Bezüge dazu her. Genauso wenig wie umgekehrt die Gegenseite. "Man muss eine kultivierte Art der Koexistenz finden", meint Philipp Oswalt, Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, die mit dem Baumarktunternehmen zurzeit über eine Abgrenzungsvereinbarung verhandelt. Das Bauhaus-Archiv hat schon zurückgesteckt und verkauft bestimmte Produkte nicht mehr in seinem Museumsshop. "Der Baumarkt hat die allermeisten Warenklassen bereits besetzt", sagt Direktorin Jaeggi. Daran ist auch "My Bauhaus is better than yours" gescheitert.

Ein Umstand, der den Handlungsspielraum der Bauhaus-Institutionen in Berlin, Dessau und Weimar in Zukunft erheblich einschränken wird. Ohne die Marken-Konkurrenz des Baumarkts könnten sie mit Museumsshops und Merchandising weitaus mehr einnehmen und wären besser gerüstet für den Konkurrenzkampf untereinander, den es ja auch noch gibt: Alle drei planen Neubauten, um endlich mehr von ihren umfangreichen Sammlungen zeigen zu können und dem stetig wachsenden Interesse gerade der ausländischen Besucher nachzukommen. Das Bauhaus-Museum in Weimar ist bereits beschlossene Sache, aber auch in Berlin und Dessau sollen die Projekte bis zum Jubiläumsjahr 2019 (100 Jahre Bauhaus) abgeschlossen sein; die Stadt Dessau-Roßlau will sich bis dahin sogar in "Bauhausstadt Dessau" umbenennen. Ganz offensichtlich besitzt die Marke Bauhaus magische Anziehungskraft, sie verspricht höchste Werbewirkung.

Ein Begriff so elastisch wie Kaugummi

Seit ehemalige Bauhäusler wie Gropius, Mies van der Rohe und Josef Albers die Bauhaus-Ideen in den Dreißigerjahren in Amerika verbreiteten und László Moholy-Nagy 1937 für kurze Zeit das New Bauhaus in Chicago einrichtete, hat die Schule enorm an Popularität gewonnen. So sehr, dass die Markenämter inzwischen immer weniger Neueintragungen mit dem Begriff "Bauhaus" zulassen - mit dem Argument, der Begriff sei im allgemeinen Sprachgebrauch längst ein Stil- und Epochenbegriff, also ein beschreibender Begriff ohne Unterscheidungskraft. Auch der Eintrag der Bauhaus-Universität Weimar wurde aus diesen Gründen abgelehnt.

Dass dieses Argument historisch falsch ist, spielt für die Prüfer keine Rolle. Einen einheitlichen Bauhausstil hat es nie gegeben, im Gegenteil. Doch der Begriff hat sich verselbstständigt, er ist so elastisch wie Kaugummi. Heute gilt das Bauhaus als Synonym für moderne Architektur und Design schlechthin und muss für alles und jedes herhalten: Als Microsoft neulich sein Betriebssystem Windows 8 im neuen Design herausbrachte, gab es wieder Bauhaus-Vergleiche; Tel Aviv wirbt mit einem Ensemble von 4000 "Bauhaus-Bauten"; und die ostchinesische Stadt Hangzhou kaufte dem deutschen Sammler Torsten Bröhan für 55 Millionen Euro eine Designsammlung ab, um damit ein "Bauhaus-Museum" zu bestücken - und das, obwohl nur gut 300 der 7000 Objekte wirklich am Bauhaus entstanden sind.

Es wäre die Aufgabe der heutigen Bauhaus-Institutionen, gegen diesen Prozess der Popularisierung anzukämpfen und den Blick zu schärfen für die eigentlichen Ideen des Bauhauses. Was schwer ist, nicht nur, aber auch wegen der wirtschaftlichen Übermacht des gleichnamigen Baumarkts. Der Spruch "My Bauhaus is better than yours" war und ist ein kluger, ironischer Kommentar dazu. Er wird bleiben.

© SZ vom 03.01.2013/ihe
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