bedeckt München

Ausstellung:Schöne Schattenseiten

Die Städtische Galerie Rosenheim widmet sich der Nacht im Bilderbuch

Von Yvonne Poppek, Rosenheim

Die Nacht beginnt mit einem Himmelbett. Einem riesigem Himmelbett mit weißem Baldachin, verspielten Mobiles und einer mit Büchern und Kissen präparierten Ruhefläche. Wer derzeit die Städtische Galerie in Rosenheim besucht, der könnte im Prinzip dort liegen bleiben und es sich mit der Nacht gemütlich machen. Allerdings wäre das fast ein bisschen schade. Denn durch die tatsächlich noch schönere Nacht lässt es sich wohl in den Räumen der Galerie spazieren. Zum sechsten Mal widmet sich das Museum der Kunst im Bilderbuch, diesmal hat Kuratorin Christine Knödler unter dem Titel "Licht aus! Die Nacht im Bilderbuch" Arbeiten von 26 Illustratoren ausgewählt. Entstanden ist eine Ausstellung, die - siehe Himmelbett - auf lustvolle, fast ein bisschen Peter-Pan-mäßige Art ins Land der Fantasie und Träume entführt.

Dazu hat Knödler die Bilder in neun Themenbereiche sortiert. "Geister & Gespenster" heißt dann etwa jener Teil, der die frisch aus dem Himmelbett entstiegenen Besucher empfängt - und das gleich mit einem Klassiker, Michael Endes "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch". Regina Kehn hat mit dunklen, spitzen Zeichnungen die Originalausgabe 1989 illustriert. Nun hängen ihre feinziselierten Arbeiten ohne den einst bebilderten Text an den Wänden der Galerie und vermögen dennoch die schaurige Stimmung der düsteren Weltrettungsgeschichte hervorzurufen. Dabei werden die Zeichnungen wunderbar kontrastiert von den schattenhaften, reduzierten Bildern von Ole Könneckes "Lola und das Gespenst", die mehr mit Pointe und Witz arbeiten, als mit gotischem Grusel. Es gleicht eben kein Geist dem anderen.

Nur logisch folgt auf die Gespenster das Thema "Traum & Alptraum". Dazu hat der Ausstellungsarchitekt Franz Putner den nächsten Saal dunkel gestaltet, ein Teil einer Kommode ragt weiter oben aus der Wand, eine unheimliche Stiege ist in einer Ecke angebracht. Diese entpuppt sich als Szenenbild aus Lemony Snickets "Dunkel", das Jon Klassen illustriert hat. Klassens grafischen Ideen zu dem wunderbaren Buch für die Ausstellung zu vergrößern, erweist sich als kluger Kniff, die unheimliche Atmosphäre auch außerhalb der Buchdeckel zu transportieren.

Derart Bücher zu erfahren, ist ein großer Spaß. Zumal die Qualität der ausgewählten Illustrationen, die überwiegend als Originale ausgestellt sind, großartig ist. So sind Arbeiten von Dorothée de Monfreid dabei, die gerade für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde, oder auch von Nele Palmtag, Quint Buchholz, Julie Völk, Sophia Martineck oder Henning Wagenbreth. Zum Teil lässt sich anhand der Exponate die Arbeitsweise der Künstler erkennen, sehr anschaulich bei den nur so vor Energie strotzenden Entwürfe von Palmtag oder den sehr behutsam angelegten Skizzen von Regina Kehn.

Wie schon die Vorgänger-Ausstellung funktioniert auch "Licht aus!" in zwei Richtungen: Zum einen gelingt es, die so unterschiedlichen, mal verträumten, mal bösen, mal poetischen Illustrationen als Kunst zu würdigen, ohne sie aus ihrem Kontext lösen zu wollen. Zum anderen ist die Schau eine Entdeckungsreise für diejenigen, die gute Bilderbücher schätzen. Diese liegen nämlich in der Galerie aus; wer will, kann sich damit in "Lesehöhlen" verkriechen. Oder eben ins Himmelbett. Also dann: Gute Nacht!

Licht aus! Die Nacht im Bilderbuch, Städtische Galerie Rosenheim, Max-Bram-Platz 2, bis 10. Juni, Di. bis Fr., 10 bis 17 Uhr, Sa./So., 13 bis 17 Uhr

© SZ vom 27.03.2018
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