bedeckt München 19°
vgwortpixel

Ausstellung:Quadratur der Vielfalt

MMS Objektfoto; Koloman Moser

Koloman Moser entwarf diesen Schreibschrank 1903 für Berta Waerndorfer. Gebaut wurder er von der Wiener Werkstätte.

(Foto: MAK/Nathan Murrell)

Der Wiener Koloman Moser war ein Universalkünstler. Die Villa Stuck zeigt mehr als 600 seiner Werke - auf engem Raum

Wirklich prachtvolle Stücke des Visionärs der Wiener Moderne Koloman Moser sind da zu sehen. Einzelne Möbelstücke bis hin zu Teilen einer Schlafzimmereinrichtung, Gläser, Vasen und Geschirr, Schmuck, Pokale, Dosen und Kerzenständer aus Silber, oft mit edlen Steinen versehen, Tisch-Accessoires aus einfachen, poveren Materialien, Entwürfe für Plakate, Bucheinbände, Briefmarken und Banknoten, für Bleiglasfenster, Textilien und Tapeten, dazu Zeichnungen und Gemälde sowie Bühnenbildentwürfe und Kostümfigurinen. Größtenteils wunderschöne Jugendstilkunst. Vieles davon in einer für jene Zeit ungewöhnlichen und neuartigen Form und Proportion. Und von etwa 1900 an mit dem Markenzeichen ihres Erfinders: dem Quadratdekor.

Reich, ja überreich ist die Ausstellung, die die Villa Stuck derzeit unter dem Titel "Koloman Moser. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann" zeigt. Eine Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem MAK, dem Museum für angewandte Kunst in Wien, und dem Theatermuseum Wien entstanden ist. Überreich auch deshalb, weil sie für zwei Häuser konzipiert wurde und nun auf den drei Etagen des Neuen Ateliers Franz von Stucks - man kann es leider nicht anders sagen - zusammengepresst wurde.

Mehr als 600 Exponate, zumeist aus der Sammlung des MAK, werden gezeigt. Und schon wenn man die Ausstellung betritt, beschleicht einen ein Gefühl der Enge. Ein Gefühl, das sich im Laufe der chronologisch aufgebauten Präsentation verfestigt. Denn schon am Anfang des Rundgangs steht man in einem künstlich geschaffenen kabinettartigen Bereich, der an einer Seite von einem geschätzt zwei Meter hohen und vielleicht drei Meter breiten Aufsteller optisch begrenzt wird. Dieses Aufstellmonster ist wie alle seine Pendants aus hellgrau gespritztem Metall, die beiden Seiten von groben Ketten zusammengehalten. Hinter dem Schutzglas (vermutlich aus Acryl) sind die meisten Exponate aus dem Bereich der Flachware mit kleinen Magneten angebracht.

Die Anordnung ist durchaus ungewöhnlich, auch meist luftig und hübsch. Doch die zarten Zeichnungen kommen vor diesem Hellgrau nicht wirklich gut zur Geltung. Schlimmer aber noch ist, dass sich die Aufsteller immer wieder wie Riegel in die Geh- und Sichtachsen schieben. Der Rundgang wird so zum Hindernisparcours. Einziger positiver Effekt: Stößt man dann mal wieder auf ein Möbelstück, ist die Überraschung um so größer. Sollte man damit kalkuliert haben bei der Einrichtung der Ausstellung, hat man für den Effekt einen hohen Preis bezahlt.

Lässt man sich auf die einzelnen Exponate ein und hat man die Historismus- und Naturalismusecke am Anfang verlassen - sie dienen der Verdeutlichung des Zeitgeistes, aus dem der 1868 geborene Moser kam -, gibt es eine Fülle kostbarer Ideen und Schätze zu entdecken. Deutlich wird, wie Otto Wagner, Architekt und Vater der Moderne, mit seiner Idee der Einheit von Form und Funktion Einfluss auf Mosers Denken und dem der anderen Secessionisten nahm. Aber auch, wie sehr diese sich an der "Arts and Crafts"-Bewegung orientierten und der künstlerischen Idee den Vorrang vor der Funktion gaben.

Zahlreiche Beispiele belegen, wie sich Koloman Moser als Universalkünstler zwischen den anderen Secessionisten behauptete - eben auch zwischen Klimt und Hoffmann -, wie er sich zu einer reduzierten Form hinwandte, seinen Stil fand und mit Hilfe der von ihm mitbegründeten Wiener Werkstätte vielfach realisierte. Das eigentlich letzte Kapitel in der chronologischen Darstellung zeigt den Abschied vom Universalkünstler und die Hin-, genauer Rückwendung zum Maler. Als solcher war er durchaus auch erfolgreich. In Erinnerung dürfte er aber vor allem für sein Quadratdekor bleiben, das einem in der Ausstellung wie in den beiden Katalogen zudem in Form von Karomuster begegnet.

Wie ein Appendix fügt sich schließlich das Kapitel mit der Bühnenkunst der Ausstellung in der Villa Stuck an. Im Kabinett am Ende sind zahlreiche realisierte und nicht realisierte Entwürfe für Bühnenstücke, Opern und Tanztheater an großen und kleinen Bühnen zu sehen. In ihrer Abgeschlossenheit wirkt die Dichte hier weitaus weniger störend. Über den Hindernisparcours durch die drei Stockwerke tröstet das jedoch nicht hinweg.

Koloman Moser. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann, Museum Villa Stuck, Prinzregentenstraße 60, bis 15. September, Di-So 11-18 Uhr; Hauptkatalog im Museum 44,95 Euro, der zur Bühnenkunst 24,95 Euro