Ausstellung:Im Lauf der Linie

Fotografien von Avedon, Hoyningen-Huene und Penn im Kunstfoyer

Von Evelyn Vogel

Man könnte mit den Arbeiten eines jeden dieser drei Fotografen hochwertige, glanzvolle Ausstellungen bestreiten. Denn sowohl der in Sankt Petersburg geborene, in den USA lebende Georg Hoyningen-Huene als auch die beiden gebürtigen Amerikaner Irving Penn und Richard Avedon zählten zu den berühmtesten Modefotografen des 20. Jahrhunderts. Über Jahrzehnte hinweg prägten sie die Bildsprache von Magazinen wie Vogue, Vanity Fair und Harper's Bazaar. Und schon oft wurden besonders die Arbeiten der beiden Letzteren in wundervollen Ausstellungen präsentiert. Derzeit sind die Schwarz-Weiß-Fotografien von Avedon, Hoyningen-Huene und Penn aus der Sammlung F. C. Gundlach unter dem Titel "The Concept of Lines" im Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung an der Maximilianstraße zu sehen; es ist die zweite Station nach Hamburg.

Ausstellung: George Hoyningen-Huene wusste die Frauen auch Göttinnen gleich hinzugießen. Die Aufnahme entstand 1941 oder 1942 in New York.

George Hoyningen-Huene wusste die Frauen auch Göttinnen gleich hinzugießen. Die Aufnahme entstand 1941 oder 1942 in New York.

(Foto: Horst; Estate of Hoyningen-Huene)

Zwar hängen gleich zum Auftakt der Schau große publikumsträchtige Motive - unter anderem wunderbare Modefotos von Irving Penn, die seine spätere Frau Lisa Fonssagrives zeigen. Dankenswerterweise hat sich Kuratorin Sabine Schnakenberg vom Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg und lange Jahre mit der Sammlung Gundlach vertraut aber nicht allein auf die glamourösen Bilder der drei Fotografen konzentriert. Statt dessen hat sie die bekannteren Seiten von Hoyningen-Huene, dem ältesten der drei, Avedon und Penn mit den etwas unbekannteren kombiniert und unter dem Aspekt der Linienführung facettenreich gebrochen. Denn jeder hatte seine eigene Art, die Menschen mit Licht und Schatten zu inszenieren, Körperhaltung, Kleidung und Umgebung ins Verhältnis zu setzen. Über Hoyningen-Huene hat beispielsweise Gundlach einmal gesagt: "Der stringenteste Fotograf war Hoyningen-Huene. Der war Art déco. Der ist am sachlichsten." Und doch wusste auch er die Frauen Göttinnen gleich hinzugießen.

Ausstellung: Richard Avedon: "Nastassja Kinski and the serpent", Los Angeles, 1981.

Richard Avedon: "Nastassja Kinski and the serpent", Los Angeles, 1981.

(Foto: The Richard Avedon Foundation)

Unter diesem Aspekt sollte man die Ausstellung vom Ende her betrachten, sie gleichsam von hinten aufrollen. Dort begegnet man Georg Hoyningen-Huenes androgynen Frauentypen, deren Körperlinien im Einklang mit den Accessoires ein strenges Ensemble im Stil der Neuen Sachlichkeit bilden. Allmählich geht die Linie dann in Bewegung über. Am markantesten sichtbar im Plakatmotiv des im Großreif gebogenen Frauenkörpers, gedoppelt im Licht- und Schattenspiel.

Ausstellung: Irving Penn: "The Hand of Miles Davis", New York, 1949-1950.

Irving Penn: "The Hand of Miles Davis", New York, 1949-1950.

(Foto: The Irving Penn Foundation)

Irving Penn war ein überaus erfolgreicher Modefotograf - und versuchte doch immer wieder der Welt des Glamour zu entfliehen, indem er zu indigenen Stämmen reiste und sie fotografierte. Doch eine zentrale Serie Penns bilden die Ende der 1940er-Jahre entstandenen Porträts von Prominenten, die er in einen künstlich geschaffenen spitzen Winkel drängte. Diese Ecken-Porträts sagen unendlich viel über die physische Präsenz der Porträtierten aus. Physische Präsenz ganz anderer Art zeigt sich in den Aufnahmen von Avedon. Die Frauen in seiner Modefotografie stellte er zwischen Elefanten, so dass die graziös gebogenen Gestalten zwischen den Dickhäutern noch zerbrechlicher wirkten. Während er das Gesicht des Regisseurs John Ford, den er kurz vor dessen Tod 1972 fotografierte, wie einen Canyon wirken ließ.

Schöne Vergleiche lassen sich anstellen, wenn man das Tripple von Jean Cocteau vor Augen hat, den alle drei über einen Zeitraum von fast 30 Jahren fotografierten. Das früheste Porträt ist von Hoyningen-Huene, der den französischen Schriftsteller, Regisseur und Maler 1930 wie weichgezeichnet ablichtete. Penn inszenierte ihn 1948 als Dandy so unnatürlich auf einen Stuhl drapiert, bis die Kanten und Linien von Körper, Licht und Schatten seinen Vorstellungen entsprachen. 1958 bei Avedon hingegen wirkt der vom Alter gezeichnete Cocteau eher zerbrechlich und verletzlich.

Drei Ikonen der Fotografie, drei Bildsprachen, eine absolut sehenswerte Ausstellung.

The Concept of Lines. Richard Avedon, George Hoyningen-Huene und Irving Penn. Werke aus der Sammlung F. C. Gundlach, bis 10. Mai, täglich von 9 bis 19 Uhr, Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung, Maximilianstraße 53

© SZ vom 12.04.2018
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