Ausstellung Ein Toast auf die Ananas

Eine schwebende Ananas zieht bei der Ausstellungseröffnung in der "Platform" Besucherblicke auf sich.

(Foto: Toby Binder)

Nikolai Vogels Kunst wirft Fragen auf

Von Anna Stockhammer

Nikolai Vogel tauscht sein schwarzes T-Shirt gegen ein Hawaiihemd und setzt eine Sonnenbrille auf. Dann geht er zwischen den Objekten, die mitten im Raum in einer Dreiecksformation von der Decke hängen, hin und her. 15 Minuten lang lässt er eine Ananas, einen leicht verkohlten Toast und eine Kartoffel miteinander reden. Das klingt in etwa so: "Die Ananas: Warum muss ich immer so weit reisen und darf nicht wieder zurück? Der Toast: Und warum legt man mir andauernd Lachs auf? Die Kartoffel: Warum fragen alle immer mehlig oder speckig?"

Der Sprechakt des Künstlers ist die Performance zur Eröffnung seiner Ausstellung in der "Platform". Die hängenden Objekte sind nicht die eigentlichen Ausstellungsstücke, sie dienen als Werkzeuge für die Werke des 1971 in München geborenen Künstlers: 105 minimalistische Drucke und Frottagen, mal in schwarz-weiß, mal in leuchtender, farbiger Tusche, hängen an der Wand. "Satzzeichen, Schachtdeckel, Abriebe, Eindrücke, eine Menge Fragezeichen", das ist der sperrige, aber treffende Titel der Ausstellung. So zeigen Vogels Arbeiten etwa eine gedruckte Ananasscheibe oder einen Druck von einem Toast in Rot, Blau und Schwarz.

Wie der Titel schon verrät, sind Satzzeichen wie Ausrufe- oder Fragezeichen und Punkte ein wesentliches Element in Vogels Kunst. Das habe seinen Ursprung in einem Kartoffeldruck namens "Potato Hashtag". "Ich habe quasi entdeckt, dass in einer Kartoffel Satzzeichen stecken können. Davon wusste ich bisher nichts", sagt Vogel. Seitdem sucht er immer wieder Satzzeichen in seinen Werkzeugen und integriert sie in seine Drucke. Der Münchner Autor und Künstler bewegt sich zwischen Kunst und Literatur. Dabei könne er sich mit mancher Kunst, die Schrift beinhaltet, gar nicht anfreunden. Die Werke des Künstlers Anselm Kiefer zum Beispiel, in denen Zitate des Lyrikers Rainer Maria Rilke vorkommen, findet er "latent kitschig".

In seiner eigenen Arbeit versucht er, Schrift und Kunst behutsam zueinanderzuführen, "Bild-Text-Wippen" nennt er das. Der Werktitel, der oft am linken Rand des Bildes platziert ist, bereichert um eine Bedeutungsebene. Oft sind das nur kleine Änderungen des Alltäglichen, wie bei den Toast-Drucken. "Toast!" heißen diese, das Ausrufezeichen suggeriere eine Ansprache, eben einen "Toast", so Vogel. Oder er trennt das Wort "Ananas" in "AN AN AS", um auf diese Weise subtil Verwirrung zu stiften. Seine Performance beendet Vogel mit den Worten: "Wenn noch Fragen offen sind, können sie die mir stellen - oder der Ananas."

Satzzeichen, Schachtdeckel, Abriebe, Eindrücke, eine Menge Fragezeichen, bis 24. Mai, Mo.-Do. 10-17 Uhr, Fr. 10-16 Uhr, Platform, Kistlerhofstr. 70