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Außergewöhnliche Architektur:Krumm, schief und schön

Ein Haus steht kopf, ein anderes besteht aus selbstverdichtendem Beton, im dritten lässt sich das Schlafzimmer wie eine Schublade ausfahren: Was Architekten sich alles einfallen lassen - und in Deutschland auch verwirklicht haben: zehn ungewöhnliche Gebäude.

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"Die Welt steht Kopf"-Haus in Trassenheide, Usedom

Quelle: Getty Images

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Ein Haus steht Kopf, ein anderes besteht aus selbstverdichtendem Beton, im dritten lässt sich das Schlafzimmer wie eine Schublade ausfahren: Was Architekten sich alles einfallen lassen - und in Deutschland auch verwirklicht haben: zehn ungewöhnliche Gebäude.

Im Ostseebad Trassenheide auf der Insel Usedom steht ein Haus buchstäblich Kopf. Das Gebäude, das im September 2008 als erstes seiner Art in Europa eröffnete, wurde nicht nur auf dem Spitzdach stehend gebaut, sondern ist mit einem Gefälle von sechs Prozent auch leicht schief. Da kann es dem Besucher beim Betreten der Innenräume schon mal schwindelig werden. Auch in dem vollständig eingerichteten Haus sind alle Einrichtungsgegenstände verkehrt herum montiert. Bett, Stuhl und Sofa schweben über dem Kopf, die Lampen scheinen aus dem Boden zu wachsen.

Living Room Schubladenhaus Gelnhausen

Quelle: formalhaut

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Außergewöhnliche Architektur:Living Room in Gelnhausen

Mitten in der Fachwerkumgebung des hessischen Städtchens Gelnhausen sticht ein Haus besonders hevor. Der "Living Room", das selbst entworfene Heim des Architekten Götz Stöckmann, trägt seinen Spitznamen "Schubladenhaus" nicht umsonst. Das 20 Quadratmeter große Schlafzimmer lässt sich bei Bedarf auf Knopfdruck wie eine überdimensionierte Schublade aus der Hausfassade herausfahren.

Neuer Zollhof in Düsseldorf mit Bauten des Architekten Frank Gehry, 1999

Quelle: ag.dpa

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Außergewöhnliche Architektur:Gehry-Bauten in Düsseldorf

Krumm und schief sind die Hausfassaden der drei Gebäude im Düsseldorfer Medienhafen, dazu verwinkelt und verschachtelt. Entworfen hat die Türme der kanadisch-amerikanische Architekt Frank O. Gehry. Er ist bekannt für seinen dekonstruktivistischen Architekturstil, der sich durch kippende Räume, umgekehrte Formen, abgewinkelte Ebenen und eine gebrochene Geometrie auszeichnet.

Die Gebäude am Rheinufer bestehen aus unterschiedlichen Materialien. Das linke Haus ist glatt verputzt, das rechte hat eine Backsteinfassade. Der kleine Turm in der Mitte ist mit silbrig glänzendem Edelstahlblech verkleidet und verbindet durch diese Eigenschaft die drei Bauten miteinander, denn in seiner Fassade spiegeln sich der nördliche und der südliche Turm. Das Ensemble wurde im Jahr 1999 fertig gestellt, die Gehry-Bauten gelten seither als eines der Wahrzeichen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.

Medienzentrum der Cottbuser Universität

Quelle: dpa/dpaweb

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Außergewöhnliche Architektur:Universitätsbibliothek in Cottbus

Ein weiteres eigenwillig gestaltetes Gebäude ist das Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum (IKMZ) der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Charakteristisch für das 32 Meter hohe Gebilde ist seine gekurvte Form. Die Stahlbetonkonstruktion, die von einer zweischaligen Glasfassade ummantelt ist, wurde von den Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron entworfen.

Phaeno-Science Center Wolfsburg; Phaeno Wissenschaftsmusem Wolfsburg

Quelle: Klemens Ortmeyer/Phaeno

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Außergewöhnliche Architektur:Phaeno in Wolfsburg

Die britische Tageszeitung The Guardian bezeichnete das Phaeno als "eines der zwölf bedeutendsten modernen Bauwerke der Welt". Das 2005 eröffnete Wissenschaftsmuseum in Wolfsburg beherbergt nicht nur eine "Welt der Phänomene", sondern ist aufgrund seiner speziellen Architektur selbst eine Art Phänomen. Bei dem von der Architektin Zaha Hadid entworfenen Gebäude treffen kantige und schroffe Partien auf sanfte und fließende Elemente; es gibt extrem schräge Flächen und unterschiedliche Neigungswinkel. Das in sich geschlossene statische System ist gekennzeichnet durch große Deckenüberstände und erhebliche Spannweiten. Für die Umsetzung der unregelmäßigen geometrischen Bauteile des Phaeno wurden die bis dato bestehenden Grenzen der Technik ausgehebelt, indem unter anderem Spezialbaustoffe wie selbstverdichtender Beton verwendet wurden.

Blue Heaven in Frankfurt am Main

Quelle: DPA/DPAWEB

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Außergewöhnliche Architektur:Blue Heaven in Frankfurt am Main

Dieser Bau fällt sogar in der imposanten Skyline von Frankfurt am Main auf: Das im Jahr 2005 fertiggestellte Gebäude "Blue Heaven", in dem ein Hotel untergebracht ist, besteht aus zwei halbmondförmigen Fassadenelementen, die einen blauen Glasquader umschließen. Dadurch sieht das Hochhaus wie eine überdimensionierte Diskusscheibe aus. Konzipiert wurde die 96 Meter hohe kreisrunde Scheibe mit insgesamt 19 Stockwerken vom Londoner Architekten John Seifert.

Jahrhunderthalle in Frankfurt am Main

Quelle: dpa

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Außergewöhnliche Architektur:Jahrhunderthalle in Frankfurt am Main

Bei der Jahrhunderthalle in Frankfurt am Main trifft Architektur auf Akustik. Das freistehende Gebäude ist zwar nicht besonders hoch, sticht aber aufgrund seiner großen weißen Kuppel mit einem Durchmesser von 100 Metern bereits von Weitem ins Auge. Dieses imposante Zeltdach soll dem darunterliegenden Saal eine einzigartige Akustik verleihen. Die Konzerthalle, in der schon Stars wie Santana oder Coldplay gespielt haben, feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum.

Einsteinturm Potsdam

Quelle: R. Arlt, AIP

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Außergewöhnliche Architektur:Einsteinturm in Potsdam

Ein Gebäude, das Wissenschaft und Architektur miteinander vereint, ist der Einsteinturm auf dem Potsdamer Telegrafenberg. Im Turm ist ein Sonnenobservatorium - ein Teleskop zur Beobachtung der Sonne - untergebracht. Der expressionistische Bau, bei dem auch Elemente des Jugendstils erkennbar sind, wurde vom Architekten Erich Mendelsohn in Zusammenarbeit mit dem Physik-Nobelpreisträger Albert Einstein und dem Astronomen Erwin Finlay Freundlich entworfen und im Jahr 1924 fertiggestellt.

Mendelsohns Stil äußert sich in der Gestaltung der Außenfassade durch schwingende Formen und gekrümmte Kurven, die die Aspekte der modernen Technik, Physik und Mathematik widerspiegeln sollen. Aufgrund der Mischbauweise - einige Gebäudeteile sind aus Beton, andere aus Ziegelmauerwerk gefertigt - musste der Einsteinturm, der heute ein Teil des Astrophysikalischen Instituts Potsdam ist, im Laufe der Jahre immer wieder saniert werden.

Marco-Polo-Tower in Hamburg

Quelle: dpa

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Außergewöhnliche Architektur:Marco-Polo-Tower in Hamburg

Der Marco-Polo-Tower in der Hamburger Hafencity soll bereits aus der Ferne durch seine organische und dynamische Form auffallen. Die 17 Stockwerke des 58 Meter hohen Wohnturms, der vom Stuttgarter Architektenbüro Behnisch entworfen und 2010 fertiggestellt wurde, haben jeweils einen anderen Grundriss und wirken deshalb zueinander gedreht und ineinander verschränkt. Auch die weit hinausragenden Terrassen sind asymmetrisch angeordnet.

Hundertwasserhaus Waldspirale Darmstadt

Quelle: DPA

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Außergewöhnliche Architektur:Waldspirale in Darmstadt

Was passiert, wenn Kunst auf Architektur trifft? Es wird bunt und verspielt - zumindest bei den dutzenden Bauwerken, die der im Jahr 2000 verstorbene österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser in Zusammenarbeit mit den Architekten Josef Krawina, Peter Pelikan und Heinz M. Springmann gestaltet hat. Eines von ihnen ist die Waldspirale in Darmstadt. Der Wohnkomplex, bestehend aus 105 Wohnungen auf 12 Stockwerken, weist keine rechten Winkel und keine geraden Linien auf. Bunte Säulen, Spiralen und Zwiebeltürmchen zieren das U-förmige Gebäude, aus dessen Fenstern Bäume wachsen - typisch für den Hundertwasser-Stil.

© Süddeutsche.de/mkoh/rus
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