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Art Cologne:Eine echte Kunst

Die Messe funktioniert nach schwierigen Jahren wieder - aber mit Kunst wird heute online gehandelt. Das Publikum will den Galeristen begegnen.

Sie stehen eng beieinander. Als suchten sie Schutz oder müssten sich ihres Zusammenhalts versichern. Aber es sind keine verstörten Bürger, sondern Straßenlaternen, die der Künstler Chris Burden unter dem Titel "Buddha's Fingers" zusammen geschoben hat. Die Installation ist das Gesprächsthema auf der Art Cologne - nicht nur weil jeder der Messebesucher sie als unübersehbar gewaltige, politische Setzung sofort versteht. Sondern auch deswegen, weil sie am Stand der Galerie von Gagosian aufgebaut ist: Dass die Galerie erstmals am Kunstmarkt teilnimmt wird in Köln als Sensation verhandelt. Zumal unter den 200 Ausstellern weitere Namen wie White Cube oder Hauser & Wirth zu finden sind, neben denen, die der Messe die Treue gehalten haben wie Daniel Buchholz, Sprüth Magers oder Gisela Capitain. Im Obergeschoss haben sich junge Galerien wie Deborah Schamoni (München), die Berliner Soy Capitán, Piktrogram aus Warschau und LambdaLambdaLambda aus Pristina eingerichtet. In manchen Kojen werden dort Werke präsentiert, die gerade in Athen bei der Documenta von der Szene entdeckt wurden, wie Olaf Holzapfel bei den Gebrüdern Lehmann oder die zu Musikinstrumenten umgebauten Möbel von Nevin Aladaq (Wentrup).

Konkurrenten wie die Art Basel hatten der Messe in Köln den Rang abgelaufen

Die Art Cologne hat ihren Platz gefunden - und das ist das Verdienst des künstlerischen Direktors Daniel Hug. Als er vor zehn Jahren den Posten übernahm, schlingerte die älteste - und lange bedeutendste - Kunstmesse der Welt. Die Art Basel hatte ihr den Rang abgelaufen, junge Messen wie die Frieze oder die Art Basel Miami Beach nagten am Image, weil sie jünger und zeitgemäßer auftraten.

Doch offensichtlich suchen Global Player wieder den Kontakt zur reichen, kunstinteressierten Szene im Rheinland. Die Statistik belegt, dass der Anteil der Teilnehmer aus dem Ausland noch nie so hoch war, wie jetzt zur 51. Ausgabe. Aber warum packen Galerien in Zeiten, in denen Sammler sich auf Instagram oder über Newsletter und Blogs informieren überhaupt noch Transportkisten? Daniel Hug sieht da keinen Widerspruch: "Gerade in solchen Zeiten sind Messen der ideale Anknüpfungspunkt", sagt er, "die Galeristen und die Sammler schätzen es, wenn man sich bei so einer Gelegenheit persönlich begegnet. Die Kunst wird erst später verhandelt - über das Internet".