Antisemitismusvorwurf gegen Autorin:Streit um Nelly-Sachs-Preis

Von dpa

Nach Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Autorin Kamila Shamsie, die sich für einen Boykott Israels ausspricht, überdenkt die Stadt Dortmund eine geplante Preisvergabe an sie. Das teilte die Stadt am Mittwoch mit. Am Tag zuvor hatte die Jury bekannt gegeben, dass die pakistanisch-britische Schriftstellerin Kamila Shamsie im Dezember mit dem Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund ausgezeichnet werden soll. Daraufhin hatte der Blog "Ruhrbarone" auf Shamsies antiisraelische Haltung hingewiesen. So hatte sie sich in der Vergangenheit für die BDS-Bewegung ("Boycott, Divestment and Sanctions") starkgemacht, die von vielen, unter anderem vom nordrhein-westfälischen Landtag, als "klar antisemitisch" verurteilt wird.

Nach Angaben der Stadt habe Shamsie nun ihre Unterstützung des BDS noch einmal bekräftigt. "Eine Verbindung zwischen Kamila Shamsie und der BDS-Bewegung war der Jury bis gestern nicht bekannt", sagte eine Sprecherin der Stadt Dortmund am Mittwoch. Die neunköpfige Jury werde in den nächsten Tagen erneut zusammentreten, um ihre Entscheidung zu überdenken.

Erst im Februar hatte die Stadt Dortmund eine Resolution gegen Antisemitismus verabschiedet und darin ausdrücklich festgelegt, dass Personen, die zu solchen antiisraelischen Boykotten aufrufen, keine Räume oder Flächen zur Verfügung gestellt werden sollen.

Mit dem nach der jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs benannten Literaturpreis ehrt die Stadt nach eigener Auskunft Preisträger, die für "Toleranz, Respekt und Versöhnung" stehen und "sich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen".

© SZ vom 13.09.2019
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