Angeben für Anfänger:Das bisschen Ärger

Guttenberg lässt sich von Fußnoten nicht die Nägel aufrollen - da haben andere Politiker schon ganz andere Krisen überwunden. Lernen Sie mitzureden über: Amtliches Ausharren. Die Aufschneider-Kolumne.

Ruth Schneeberger

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Bundestag - Guttenberg

Quelle: dpa

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Guttenberg lässt sich von Fußnoten nicht die Nägel aufrollen - da haben andere Politiker ja auch schon ganz andere Krisen überwunden. Lernen Sie mitzureden über: Amtliches Ausharren. Die Aufschneider-Kolumne.

Was ist das?

Als "Amtliches Ausharren" bezeichnet man die Tätigkeit eines Amtsträgers, die er durchzuführen hat, während er nicht der Arbeit nachgehen kann, die er eigentlich von Amts wegen auszuführen hätte, weil er damit beschäftigt ist, sein Amt zu verteidigen.

Es trifft sich gut, dass es den derzeitigen Verteidigungsminister trifft, der sein Amt zu verteidigen hat, denn: Wenn Guttenberg den Kampf um sein Amt politisch unbeschadet überstehen sollte, hat er als sein eigener Verteidigungsminister nicht nur sich selbst beeindruckt, sondern Millionen Wähler, deren Verteidigungsminister er eben auch ist. Besser geht's ja wohl nicht.

Dass das Amt des Verteidigungsministers eigentlich noch ein paar andere Aufgaben beinhaltet abseits der eigenen Verteidigung - wen kümmert das in diesen Tagen? Guttenberg kann sich schließlich nicht um alles kümmern.

Wenn auch Sie derzeit Kämpfe auszustehen haben, deren Ende noch offen ist, hier die nützlichsten Strategien zur Selbstverteidigung:

Text und Bildauswahl: Ruth Schneeberger/sueddeutsche.de/bgr

Im Bild: Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nimmt im Plenarsaal des Deutschen Bundestags am Mittwoch während einer Fragestunde zu Plagiatsvorwürfen im Rahmen seiner Doktorarbeit Stellung.

Bischöfin Käßmann betrunken am Steuer

Quelle: Peter Steffen/dpa

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So machen Sie sich lächerlich:

Indem Sie zugeben, dass Sie einen Fehler begangen haben, ob vor, während oder nach Ihrer Amtstätigkeit - und indem Sie dann noch die Verantwortung dafür selbst übernehmen. Wo kämen wir hin, wenn das jeder machen würde? Gäbe es überhaupt noch ordentliche Amtsträger? Meine Herren, man kann auch zu gut sein für diese Welt. Und der Wähler sehnt sich nach dem großen Rücktritts-Jahr nach Politikern, die sich nicht so leicht kirre machen lassen. Auch nicht von sich selbst.

Im Bild: Margot Käßmann, die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland vor ihrer Trunkenheitsfahrt vom Februar 2010 (Weihnachten 2006 noch im Amt als evangelische Landesbischöfin in Hannover).

Jahresrückblick Hessen

Quelle: dpa

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So schinden Sie Eindruck:

Indem Sie Ihre gröbsten Fehler zunächst empört zurückweisen, dann negieren, schließlich anderen die Schuld dafür in die Schuhe schieben und sich selbst als "brutalstmöglichen Aufklärer" der Gesamtsituation aufspielen. Das hat schon Roland Koch (im Bild) aus der damaligen CDU-Spendenaffäre um Parteispenden und angebliche jüdische Vermächtnisse gerettet. Immerhin galt auch er einmal als möglicher Kanzlerkandidat - und als daraus nichts wurde, nahm ihn die Wirtschaft immerhin noch mit Kusshand: Ein börsennotierter und international tätiger Bau- und Dienstleistungskonzern mit Sitz in Mannheim, der im derzeit größten städtebaulichen Projekt Deutschlands, der Erweiterung der Kölner Stadtbahn, im Februar 2010 "Unregelmäßigkeiten" in Form von Betrug und fehlendem Einbau nötiger Bauteile zugeben musste, nachdem im März 2009 das Kölner Stadtarchiv eingestürzt war, wird Koch am 1. März 2011 zum Vorstandsmitglied und im Juni zum Vorstandsvorsitzenden erklären. Ob der Unions-Kollege ...

Guttenberg bei Valentinstreffen

Quelle: dpa

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... dem Jüngeren beim Valentinstreffen der Hessen-CDU an diesem Montag in Kelkheim bei Frankfurt reinen Wein über bestmögliche Selbstverteidigungsstrategien eingeschenkt hat, nachdem Guttenberg ihm das Wasser gereicht hat, ist nicht hinlänglich bekannt. So viel aber ist ersichtlich: Die beiden haben sich gut verstanden.

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Quelle: AP

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Zitieren Sie: 

Am besten einen anderen amtlichen Ausharrer, Silvio Berlusconi, den italienischen Immer-wieder-Ministerpräsidenten und Unternehmer:

"Um diese Arbeit auszuüben, muss man geistig gestört sein, muss man an psychischen Störungen leiden. Wenn Sie jene Arbeit ausüben, dann weil Sie sich anthropologisch vom Rest des Menschengeschlechts unterscheiden."

Gemeint waren damit nicht Kollegen seines Berufsstandes, sondern der Beruf des Staatsanwaltes, ein Amt also, mit dem er selbst immer wieder lästige Probleme hat.

In diesem Zusammenhang half dem großen Amtsausharrer, wenn eins seiner Zitate in der Öffentlichkeit gerade nicht so gut angekommen war, folgendes Zitat stets weiter:

"Leider gibt es einen generellen Mangel an Humor."

In diesem Sinne: Bis nächsten Donnerstag!

© sueddeutsche.de/rus
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