Altstadtfest Fränkische Reeperbahn

Neue Musik von jungen Künstlern gilt es beim Pop-Festival in der Nürnberger Altstadt zu entdecken. Zum Beispiel die des Duos "Wolf & Moon".

(Foto: Bake)

Das "Nürnberg Pop", ein Festival mit mittlerweile 20 Spielorten, hat sich die große Musiksause im Hamburger Stadtteil St. Pauli zum Vorbild genommen

Von Dirk Wagner

Was 2011 mit 20 Acts auf acht Bühnen in der Altstadt startete, ist mittlerweile zu einem Altstadtfest gewachsen, bei dem in diesem Jahr 50 Shows auf 20 Spielorte verteilt sind: "Nürnberg Pop". Neben regionalen und überregionalen Musikern präsentiert das "fränkische Reeperbahnfestival" schon einen Tag vor dem eigentlichen Festival im Glasbau des Kunst-Kultur-Quartiers Foren, in dem Netzwerke geschaffen oder Pop-Paradigmen diskutiert werden. So treffen sich dort bereits an diesem Freitag Musikschaffende, Veranstalter und Medienvertreter zu einem Speeddating, bei dem jeder in gerade mal sechs Minuten ein Projekt vorstellen darf.

Nachdem alle Vorstellungen gelaufen sein werden, ist Netzwerken angesagt, sagt der Veranstalter Thomas Wurm: "Im Idealfall findet zum Beispiel ein Musiker ein passendes Tonstudio und hat möglicherweise auch gleich Interesse bei Medienleuten geweckt." Dass dieses Panel, für das Voranmeldungen nötig sind, als erstes ausgebucht war, bestätigt den Veranstaltern einen Bedarf. Zudem werden Vorschläge für eine Kulturhauptstadt Nürnberg gesammelt. Und der Kulturverein Studio Eins diskutiert im Glasbau über "Open-Air-Plätze für alle". Die Grundidee dabei sei, öffentlichen Freilichtveranstaltungen einen gemeinnützigen, unkommerziellen und vor allem ökologischen Rahmen geben zu können, so die Veranstalter.

Am Samstag dann wird sich das Festival ohne seine in den Vorjahren bewährte Zentrale im K4 behelfen müssen. Da das Kulturzentrum, das seit Jahrzehnten die innerstädtische Heimat der hiesigen Subkultur darstellt, wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, gibt es heuer gleich zwei Bändchenumtauschstationen: im Glasbau (Königstraße 93) und am Heilig-Geist-Saal (Hans-Sachs-Platz 2), wo erstmals auch die östliche Altstadt bespielt wird. Dass sich dort nur ein einziger Live-Club befindet, nennt Wurm ein Armutszeugnis für Nürnberg. Umso wichtiger ist es für ihn und seine Mitstreiter Thomas Eckert und David Lodhi, die Altstadt wenigstens einen Tag lang mit nachmittäglichen Gigs im Schallplattenladen und nächtlichen Konzerten in Kirchen, Kneipen und Klamottenläden popmusikalisch zu beleben. Weil diese nicht über eine notwendige Veranstaltungstechnik verfügen, wird überall extra für den Abend eine entsprechende Anlage eingerichtet. Das erklärt laut Wurm auch die 35 Euro Eintritt, die das Publikum für das Festival berappen muss, obwohl eine Vielzahl von Mitarbeitern ehrenamtlich tätig sind.

Wie immer bei derartigen Veranstaltungen bietet das Festivalbändchen keine Einlassgarantie. Wer also sicher gehen will, in eine bestimmte Location zu kommen, sollte schon 20 Minuten vor Konzertbeginn die jeweiligen Spielorte aufsuchen, empfehlen die Veranstalter. Ansonsten bietet die Dichte der Spielstätten genügend Ausweichmöglichkeiten. Man kann sich also auch durch die heimeligen Gassen der Altstadt treiben lassen und beinahe zufällig so manchen Pop-Höhepunkt das Abends entdecken. Sei es die Rapperin Antifuchs um 19 Uhr im "Hinz x Kunz" am Marientorgraben 13, Wolf & Moon um 20.15 Uhr im Blutsgeschwister, die italienische Reibeisenstimme von Fil Bo Riva um 21 Uhr im Heilig-Geist-Saal oder die irische Indie-Band All The Luck In The World kurz nach Mitternacht in der Klarakirche.

Nürnberg Pop, Sa., 13. Okt., Altstadt, Programm und Infos: nuernberg-pop.de