Alexandra Maria Lara Unsere Frau für Hollywood

Längst nicht mehr nur das Mädchen mit den Rehaugen: Alexandra Maria Lara hat Starqualitäten, und 2008 dürfte ihr Jahr werden. Ob sie sich aber mit ihrer Rolle der Geliebten in Francis Ford Coppolas "Jugend ohne Jugend" einen Gefallen tut?

Von Christian Mayer

Schauspieler geben einer Geschichte ihr Gesicht. Wenn ein Film ins Kino kommt, müssen sie dann selbst Geschichten erzählen. Wie gut Alexandra Maria Lara dieses Wechselspiel mit den Medien beherrscht, kann man gerade erleben. Seit diesem Donnerstag ist sie im Film des Amerikaners Francis Ford Coppola zu sehen: "Jugend ohne Jugend" lautet der Titel.

Nicht zum ersten Mal spielt die 29-Jährige in einer internationalen Koproduktion eine schöne Geliebte. Doch die Zusammenarbeit mit Coppola, berühmt seit der Trilogie "Der Pate", sei überwältigend gewesen, betont Lara in jedem Interview. Und erzählt mit Unschuldsmiene eine Geschichte, die man ihr einfach glauben muss: Wie sie gerade im Urlaub war, als sie - oh, Gott! - das Drehbuch in die Hände bekam; wie sie den Meister am Telefon hatte und panikartig den Hörer fallen ließ: "Das Peinliche war, dass er meine Nummer im Display gesehen hat und gleich zurückrief."

Hingebungsvoll

Das Mädchen mit den Rehaugen, schüchtern, natürlich und etwas naiv: Auf dieses Klischee lässt sich Lara schon lange nicht mehr reduzieren. Sie sucht nicht unbedingt das Blitzlicht, aber 2008 dürfte ihr Jahr werden. Nach ihrem Auftritt im preisgekrönten Musikerdrama "Control" ließ sie in Cannes ihren Charme spielen. Sie saß neben Sean Penn in der Festival-Jury, und wenn man die Pressekonferenzen verfolgte, wusste man warum: So hingebungsvoll kann keine von ihren Kollegen schwärmen.

Wahrscheinlich war es eine gute Idee, dass Alexandra Maria Platareanu am Beginn ihrer Karriere den Namen Lara annahm, um den Aha-Effekt zu steigern. Lara - so hieß auch die Geliebte des Doktor Schiwago. Ihr Vater, im Rumänien Ceausescus einst Intendant des Nationaltheaters, ebnete ihr den Weg in den Beruf. Schon als Elfjährige überzeugte sie Fernsehproduzenten, nach dem Abitur in Berlin ging es rasant weiter: Sie spielte für Regisseure wie Joseph Vilsmaier, Doris Dörrie und Helmut Dietl, dann wieder an der Seite von Gérard Depardieu, wenn eine vornehme junge Gräfin gefragt war. "Sie hat das, was man Starqualität nennt", sagte Helmut Dietl einmal über sie, fügte aber mahnend hinzu: "Sofern sie die richtigen Rollen annimmt."

Wendepunkt

2004 kam ein Wendepunkt. Nach Komödien-Erfolgen war Lara als Hitlers Sekretärin im Kriegsdrama "Der Untergang" zu sehen, und als der Film für den Oscar nominiert war, durfte sie neben Hauptdarsteller Bruno Ganz auf den roten Teppich - ein hübsches Verkaufsargument für das düsterste deutsche Kapitel.

Auch Coppola war von Laras Darstellung im "Untergang" angetan. Nun ist sie in ihrer schwierigsten Rolle zu sehen: Sie spielt die verlorene Jugendliebe eines Wissenschaftlers, der nach einem Blitzschlag plötzlich jung und genial ist. Ein blitzgescheiter Film ist es leider nicht, in den USA floppte "Jugend ohne Jugend" auf grandiose Weise.

Alexandra Maria Lara macht auch in Coppolas Alterswerk eine gute Figur, keine Frage. Aber ob sie sich mit dieser Rolle - sie spricht im Film plötzlich alle Sprachen der Welt, sogar Babylonisch - einen Gefallen getan hat? In einer Szene jedenfalls sieht sie plötzlich alt und faltig aus. So will man Alexandra Maria Lara noch lange nicht sehen.