Alben der Woche"Wer Minderheiten hasst, sollte niemals Präsident werden!"

Marvin Gaye beweist auf bislang unveröffentlichten Songs quasi-prophetische Qualitäten, beim ESC wurde tatsächlich mal ein Musiker ausgezeichnet. Und bei Henryk Górecki liegen Pop und Klassik nah beieinander.

Salvador Sobral - "Paris, Lisboa" (WM Spain)

Ohne abendländische Hightechmedizin würde Salvador Sobral nicht mehr leben. Ende 2017, dem Jahr, in dem der Portugiese mit dem Song "Amar Pelos Dois" den 62. Eurovision Song Contest in Kiew gewann, musste er sich einer Herztransplantation unterziehen und kurz darauf erneut wegen eines Nierenversagens ins Krankenhaus. Es ist also ein wirklicher Grund zur Freude, dass nun, ein knappes Jahr später, tatsächlich ein neues Album von ihm erscheint. Sogar eine Tour ist geplant. Die Freude ist umso größer, als es ein richtig gutes Album geworden ist. Gefühliger Pop ist es wohl. Es steht zu befürchten, dass es bei dem ein oder anderen Date eines einsamen Managers laufen wird. Da klimpert schon mal das Klavier ein paar Salon-Phrasen. Teils bewegt es sich schon sehr dicht an der Latinkitschgrenze. Aber die Musik überschreitet sie nicht. Weil sie den Mut zur klanglichen Transparenz hat, der Zerbrechlichkeit Raum gibt, jazzartig improvisiert wirkende Passagen zulässt. Und ihre Herkunft aus traditionellen Genres weder verleugnet, noch ausbeutet. Es grenzt an ein Wunder, dass im Rahmen der Zombieveranstaltung ESC tatsächlich mal ein Musiker ausgezeichnet wurde. Von Juliane Liebert

Bild: Label 29. März 2019, 05:162019-03-29 05:16:45 © SZ vom 27.03.2019/biaz