Tamino - "Amir" (Communion Records)

"Amir" (Communion Records), das Debütalbum von Tamino, einem klassisch ausgebildeten Sänger, Gitarristen und Pianisten, könnte in seiner Dramatik und Großgestik ganz klassischer White-Boy-Theater-Pop sein, von der Spielart eines Konstantin Gropper zum Beispiel. Schwarz und samtig sind die Tiefen ausgekleidet, die Höhen flehen sanft der Erlösung entgegen. Könnte. Wenn da nicht dieses feine Schlingern und Schwingen wäre, in das der junge Mann mit belgischen, ägyptischen und libanesischen Wurzeln jeden seiner Songs versetzt. Zu Beginn von "So It Goes" dröhnen Breitwand-Streicher wie aus "Lawrence of Arabia", auf "Habibi" grummelt eine einsame Gitarre in der Dunkelheit, Tamino lässt seine Stimme immer wieder in arabische Tonvariationen abtauchen. So klänge Nick Cave, wäre er nicht im australischen Hinterland geboren, sondern im Libanon. Jonny Greenwood hat als Produzent auf "Amir" Hand angelegt, man merkt das, "Each Time" klingt wie ein arabeskes Radiohead-Outtake. Dem oft schwulstschweren Genre Kammerpop zeigt Tamino die Grenzen auf - und darüber hinaus. Von Julian Dörr

Bild: Communion Records 19. Oktober 2018, 05:142018-10-19 05:14:13 © SZ.de/doer