Alben der WocheAus dem inneren Kreis einer flauschigen Hölle

Benjamin Francis Leftwich versucht Unmögliches: "Dankbarkeit" ohne Gesäusel vertonen. Danger Mouse und Karen O schaffen es aus den Nullerjahren ins Jetzt. The Cinematic Orchestra nicht.

Karen O und Danger Mouse - "Lux Prima" (BMG Rights Management/Warner)

Musikalische Paarungen haben eine lange Geschichte in der Popmusik. Da gibt es die offensichtlichen (Jay-Z und Kanye West) und die unvorhersehbaren, die furchtbar sein können (Sting und Shaggy) oder überraschend gut (Paul McCartney und Rihanna). In letztere Kategorie fällt auch "Lux Prima" (BMG Rights Management/Warner), das neue Album von Karen O und dem Produzenten Brian Burton alias Danger Mouse. Beide haben auf ihre Weise den Sound der Nullerjahre geprägt: Karen Orzolek war Sängerin des New Yorker Art-Punk-Trios Yeah Yeah Yeahs, Burton produzierte Gnarls Barkleys Superhit "Crazy" und war einer der Architekten des Retro-Sixties-Soul, der bald in Pop, Rock und Hip-Hop einsickerte. Ihr gemeinsames Album führt jetzt in eine Welt aus elaborierten Popsongs: Traumgleich sind sie, breitwandig und sehnsuchtsvoll, zugleich eingängig und gespenstisch weit draußen. Immer scheint hinter der nächsten Abzweigung eine große Radiohit-Melodie zu lauern und immer winden sich die Songs doch woanders hin. Am besten ist der neunminütige Titelsong, in dem Danger Mouse Karen Os heiseren Gesang mit allem umspült, was er für seinen schwirrenden Space-Pop braucht: warmen Bass, Streicher und ein Xylophon. Von Annett Scheffel

15. März 2019, 05:082019-03-15 05:08:02 © SZ vom 13.03.2019/biaz