13. Januar 2017, 18:54 Kurzkritik Wortwitze

Oliver Gottwalds Pop-Show in der Milla

Von DIRK WAGNER

Das Beste kommt am Anfang, danach kann es nur besser werden. So paradox das Erfolgsrezept von Oliver Gottwalds Lieblingsliebeslieder-Show in der Milla auch erscheint, es funktioniert. Wobei das Beste am Anfang kein alter Hit aus Gottwalds Indie-Pop-Schaffen mit der Augsburger Band Anajo ist, sondern die aktuelle Single des Sängers, der nach kurzer Pause vor zwei Jahren wieder auf die Popbühne zurückkehrte.

Der Keyboarder Samuel Heinecker, der Gottwald damals schon auf dessen Reunion-Tournee begleitete, ist mittlerweile nicht nur festes Mitglied der Begleitband. Die Songs des im Herbst erscheinenden zweiten Solo-Albums von Oliver Gottwald hat der nämlich zusammen mit Heinecker geschrieben. Zum Beispiel eben jene vorausgeschickte Single "Mustangmann", mit der Gottwald den Abend eröffnet: "Max Mustermann aus Musterstadt hat die alten starren Muster satt", singt er da mit einem Wortwitz, der auch in seiner musikalischen Aufbereitung an die ganz großen Nummern eines Udo Lindenberg heran reicht. Damit könnte Gottwald aus der kleinen Indie-Nische in den Deutschpop-Himmel aufsteigen. Weil er aber auch seine alten Hits liebt, nimmt Gottwald diese einfach mit in den Olymp. Dort werden seine Hymnen von der Honigmelone, die nicht ohne ist, und von der Monika Tanzband, die die Welt rettet, ebenso euphorisch gefeiert werden wie das Stück "Menschen". Und das erinnert an "Anna Lass mich rein" von Trio.

Die Aufzählung von Begriffen darin wie "Männer", "Frauen und Kinder", "Adam und Eva" unterstützt Samuel Heinecker visuell, indem er wie einst Bob Dylan im Video zu "Subterranean Homesick Blues" die Begriffe auf Pappschilder in die Luft hält. Dass da dann statt des gesungenen "Mutter Natur" ein "Mutter Theresa" zu lesen ist, entspricht Gottwalds Humor. In einem anderen Song lässt er da schon mal aus "Halluzinationen" ein "Hallo Zinationen" werden. Das ist nicht großartig, sondern "großfrech"!