100. Geburtstag von Astrid Lindgren "Da können sie alle lachen"

Als Kind hätte sie sich fast totgespielt. Später zauberte sie auf Papier Welten aus Freiheit, Abenteuer und Spaß - und wer das Recht auf Lesen nicht ernstnahm, bekam es mit ihr zu tun. Erinnerungen an einen Besuch bei Astrid Lindgren.

Von Roswitha Budeus-Budde

"Wie wirst du über mich schreiben?", hat sie beim Abschied gefragt, das war vor zehn Jahren, beim Gespräch anlässlich ihres Neunzigsten. Und natürlich gleich einen Vorschlag mit auf den Weg gegeben: "Schreib nicht über die Uralte, schreib darüber, wie ich mit meinem kleinen Urenkel spazieren gehe und wie er sich über mich freut, weil ich eine Plastiktüte gegen den Regen auf dem Kopf trage. Da können sie alle lachen."

Das Kind zu übersehen, war für Astrid Lindgren eine "Unverschämtheit".

(Foto: Foto: Reuters)

Als eine Uralte ist Astrid Lindgren einem nie vorgekommen, auch an ihrem 100. Geburtstag scheint sie so lebendig in der literarischen Öffentlichkeit und den Medien, als wohne sie noch in der Dalagatan 46 in Stockholm. Es war kalt damals, im November 1997, und niemand war unterwegs im kleinen Park gegenüber.

Im Flur gab es einen großen Tisch, der überquoll von Kinderbriefen aus der ganzen Welt: "Alle fragen immer dasselbe. Kinder sind Kinder und sie sind nicht so unterschiedlich voneinander." In vielen Briefen wird sie um Hilfe gebeten. "Kindheit ist für manche Kinder schrecklich, so sehr, dass man weinen muss, wenn man davon hört. Aber man kann nur wünschen, dass die Kinder die neuen Dummheiten der Eltern überwinden."

Auch wenn sie schon damals nicht mehr jeden Brief persönlich beantwortet hat, ihre kindlichen Leser, auch die von heute, spüren, dass sie ihnen mit "Pippi Langstrumpf", "Michel in der Suppenschüssel", Ronja Räubertochter, den "Brüdern Löwenherz" oder mit "Wir Kinder aus Bullerbü" unsterbliche Helden für ein glückliches Kinderleben gegeben hat.

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Die Vorbilder dazu fand sie in ihrer eigenen Kindheit, auf dem Bauernhof der Eltern in Småland, und wenn sie davon erzählt, von dieser besonderen Kindheit, dann spüren wir, es hat sich nicht nur etwas durch die historische Distanz geändert, sondern moderner Kindheit fehlt zunehmend ein Lebenselixier, das Spiel.

Wie begeistert berichtet Astrid Lindgren: "Wir spielten und spielten und spielten - ein Wunder, dass wir uns nicht totgespielt haben. Wir kletterten wie die Affen auf Bäume und Dächer, wir sprangen von Bretterstapeln und Heuhaufen, dass unsere Eingeweide nur so wimmerten." Auch wenn sie und ihre Geschwister fest in den Kreislauf der Arbeit auf dem Bauernhof eingespannt waren, im Spiel waren sie herrlich frei und nie überwacht.

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