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Wim Wenders:Ein Film, der Hoffnung macht

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Wim Wenders' Film über Papst Franziskus hat bei Leserinnen und Lesern einen großen Eindruck gemacht. Einer, der sich selbst als Agnostiker bezeichnet, zeigte sich vollends begeistert.

"Privataudienz im Vatikan" vom 15. Juni:

Die Dokumentarfilme von Wim Wenders dokumentieren auch immer seine Begeisterung für seine Protagonisten. Ein Fürsprecher des Guten, der Bejahung. Seine Mittel sind poetisch, seine Affirmation provoziert den klassischen Intellektuellen. Als Agnostiker war ich ziemlich skeptisch vor der Premiere, danach vollends begeistert. Denn das Charisma des Papstes ist schon mehr als ein Hoffnungsschimmer. Weil eben beides überzeugte, sein Blick und sein Wort. Auch über den Film hinaus. Wenn es wieder dunkel ist und still.

Michael Schackwitz, Berlin

Mehr als Autorenkino

Die wirklich wichtigen Dinge lassen sich oft in ganz einfache Worte fassen. So ist es im Grunde genommen ein Satz aus Wim Wenders Film "Ein Mann seines Wortes", der dem gesamten Film seine Berechtigung gibt. Als Papst Franziskus sich über den Zustand von Gesellschaft und ihrer Gemeinschaft Gedanken macht, verbindet er das vor allem mit einer Frage: "Mütter, Väter, spielt ihr mit euren Kindern?" Sprich: "Nehmt ihr euch Zeit für die Dinge, die sich nicht rechnen, für die es keinen Applaus gibt und die teilweise auch anstrengend sind? Allein deshalb, weil ihr wisst, dass es für die Gemeinschaft im Wortsinn existenziell ist?" So hat Wenders einen Film gemacht, der die Relevanz seiner großen Arbeiten übertrifft, weil es (ihm) um mehr geht als um "Autorenkino", kulturelle Reflexionen über dies und jenes oder gar Verarbeitung der eigenen Biografie. Für mich tritt Wenders selbst sehr bewusst hinter das Anliegen dieses Films zurück. Dies wird deutlich, wenn man die filmische Interviewtechnik anschaut. Dass diese Technik für Verhöre entwickelt wurde oder um schwierigen Charakteren intime Geständnisse zu entlocken, ist wohl zutreffend, aber hierfür unerheblich. In diesem Setting führt der direkte Blick in Kamera dazu, dass man einem Menschen in die Augen sehen kann, der sehr viel begriffen hat und sein Anliegen durch diese Präsenz glaubwürdig vermitteln kann.

Jörg Steinmetz, Frankfurt am Main

Die Augen des Papstes

Heute morgen habe ich Radio gehört und Zeitungen gelesen: Überall die Zerwürfnisse auf der politischen Ebene, die mich beunruhigen, mehr noch - mich erschrecken. Zum Glück hatte ich am Vorabend den Film von Wim Wenders über den Papst gesehen, der mir in seiner positiven Grundhaltung außerordentlich gut tat. Was mir im Kopf und im Herzen bleibt, ist nicht die Aufnahmetechnik, sondern sind die Worte von Franziskus, die Augen von Franziskus, die zu uns Zuschauern sprechen. Mir sind aus den vielen Reisen des Papstes die Bilder der Menschen in Erinnerung geblieben, die so viel aussagen über die Situation in der Welt. Und ich habe es gemocht, ein positives Pendant zu den unsäglichen Debatten zur Flüchtlingsfrage zu hören. Dass der Papst so persönlich, so direkt, ins Herz gehend geantwortet hat, ist auf die Fragen von Wim Wenders, auf seine Zurückhaltung und Diskretion, auf sein Feingefühl, das auch Franziskus gespürt haben wird, zurückzuführen. Auch die Kameratechnik, sozusagen "live" den Papst sprechen zu lassen und mit Bildern aus dem Archiv zu unterlegen, habe ich als ungewöhnlich leicht empfunden, sie hat die gefühlte Nähe zu Franziskus gesteigert. Diese Qualitäten des Filmes spricht die Rezension gar nicht an. Aber das hätte ich erwartet.

Anne-Marie Geyer, Berlin

© SZ vom 27.06.2018

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