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Weitere Leserbriefe:Zu Stressbewältigung,  Debatte und Freihandel

Eine Diskussionskultur sei gut, dürfe aber nicht ausufern, meint ein Leser. Und: Warum man nicht immer selbst schuld am Stress ist und wieso für ungebremsten Freihandel heute kein Platz mehr ist.

Wann Debatte unnötig ist

Zu "Lasst uns heftig streiten" vom 18. Mai: Kathrin Werner trifft im Kern das Richtige und mahnt eine bessere Debattenkultur an. Ich gebe zu bedenken, dass man nicht um einer Debattenkultur willen jeden Gedanken breit ausdiskutieren muss, dessen Fundament durch Erfahrung und Sachverstand von darin kompetenten Fachleuten für eine "Neuauflage" obsolet geworden ist. Ich denke hier besonders an die Vorstellung, dass ein wie auch immer zusammengesetztes Kollektiv per es eine bessere Entscheidung treffen kann als ein Management. Ich halte dies für einen Irrglauben, der nicht erneut diskutiert werden muss. Das sollte Debattierklubs überlassen werden.

Dipl. Kfm. Hubert Klötzer, Ostelsheim

Von Stress und Zwang

Zu "Voll im Stress" vom 11. Mai: David Pfeifer stellt in seinem Beitrag den Sachverhalt so dar, als sei Stress nicht nur relativ und subjektiv, sondern auch grundsätzlich selbst verschuldet. Das mag in vielen Fällen sicher so sein, besonders bei denjenigen Menschen, die sich freiwillig zahlreichen Zwängen aussetzen, nur um möglichst modern, urban, perfekt zu sein und sich nicht minderwertig oder unwichtig zu fühlen. Und selbstverständlich ist nicht immer alles Stress, was als solcher bezeichnet wird, denn tatsächlich gehört er mehr und mehr zum (selbstgewählten) Lifestyle.

Allerdings gilt es jedoch als erwiesen, dass es sehr wohl Stress gibt, gegen den man sich nur schwer wehren kann und der deshalb umso mehr Symptome wie hohen Blutdruck, hohe Cortisolwerte, Kopf- oder Rückenschmerzen etc. hervorruft, beispielsweise Lärmbelastung. Schließlich hat man selbst bei Tieren Stress festgestellt, und die können ihn wohl eher schlecht selbst verursacht haben. Insofern ist Herrn Pfeifers Schlussfolgerung, man solle sich fragen, ob Stress nicht tief aus einem selbst kommt, nicht ganz zutreffend, denn es gibt tatsächlich auch ein paar kaum veränderbare äußerliche Ursachen dafür.

Mariangela Zaby, Friedberg

Freihandel und Klimaschutz?

Zu "Ceta als Chance" vom 2. Mai über das Handelsabkommen der EU mit Kanada: Dass in Zeiten des Klimawandels und der dringend notwendigen Maßnahmen zur CO₂-Emissionsreduktion in der SZ das "Hohelied des ungebremsten Freihandels" gesungen wird, erstaunt mich doch. Abgesehen davon bin ich auf die Kommentare gespannt, wenn Konzerne ihre Rechte vor Schiedsgerichten einklagen und dann gewinnen.

Erich Würth, München