Weitere Leserbriefe:Tschernobyl, Gruner+Jahr

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Warum die Natur auch 35 Jahre nach der Reaktor­katastrophe kaum Chancen hat. Und: Von Aufbruch­stimmung in Hamburg.

35 Jahre Tschernobyl

Der Geigerzähler wird hier noch lange ausschlagen: Warnschild am Rande des Roten Waldes in der Nordukraine. Vor 35 Jahren kam es bei Tschernobyl zu einer Reaktorkatastrophe.

(Foto: dpa)

Geschönter Blick auf Tschernobyl

Zu "Ungeeignet für eine dauerhafte Besiedlung" vom 26. April: 35 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl fällt mir in letzter Zeit immer wieder auf, dass ein geschönter Eindruck davon erzeugt wird, wie sich die Natur die 30-Kilometer-Sperrzone rund um den Reaktor langsam wieder aneignen würde. Dabei ist die Strahlung sicher ein Stressfaktor, und mehr noch: Der Natur gelingt keine evolutionäre Adaptation an die Verstrahlung. Davon hat der kanadische Biologe Prof. Dr. Timothy Mousseau von der Universität South Carolina schon 2016 bei der Jahrestagung der Ärzteorganisation IPPNW berichtet. So fand er in den verstrahlten Regionen völlig verkrüppelt wachsende Kiefern, hohe Katarakt- und Mikrozephalieraten bei Vögeln und Mäusen, erhöhte Raten von Augentumoren, sowie vermehrte Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten in der gesamten Tierwelt.

Dr. Christoph Dembowski, Rotenburg/Wümme

Aufbruch statt Abwicklung

Zu "Ende einer Ära" vom 23. April: Der Autor zeichnet wortreich ein durch und durch düsteres Bild der Zukunft von Gruner + Jahr und kann das nicht mit einer einzigen namentlich genannten Quelle untermauern, sieht man ab von dem Zitat aus der Presseaussendung einer Gewerkschaft. So sprechen in dem Artikel "ein Insider", "ein Beteiligter", "Vertraute" oder schlicht "viele im Unternehmen".

Dürfen wir von einem Leitmedium nicht ein wenig mehr erwarten als eine Ansammlung unüberprüfbarer und damit unwiderlegbarer Endzeitstimmen - von "Was da kommt, wird nicht schön" über "Blutbad" bis "abgewickelt"?

Hätte die SZ bei uns nachgefragt, hätten wir nicht nur widersprochen - wir hätten ein gänzlich anderes Bild vermittelt: von der bei uns spürbaren Aufbruchstimmung und dem großen Potenzial, das wir in einer Bündelung der Angebote von G+J und RTL erkennen. Ihr Artikel hätte dann so heißen können: "Beginn einer Ära". Wir jedenfalls wären zu Gesprächen gern bereit.

Brigitte Huber und Florian Gless, für alle Gruner+Jahr-Chefredakteure, Hamburg

Archaische Auswahlkriterien

Zu "Mr. Rich und Mrs. Lonely" vom 6. April: Vielen Dank für diesen Artikel, der bestätigt, dass die archaischen Beuteschemata weiterwirken wie nie ausgestorbene Dinosaurier: Hoher Status des Mannes und körperliche Attraktivität der Frau werden bei der Partnerwahl immer noch gegeneinander aufgerechnet.

Die gesellschaftspolitische Seite daran: Solange Frauen einen Mann als Partner bevorzugen, der ihnen im Status überlegen ist, solange werden die Männer in der Gesellschaft den Frauen auch immer im Status überlegen bleiben. Alles andere lässt die Mechanik der Gefühle nicht zu. Denn dann werden immer eher die Frauen zu Hause bleiben, wenn ein Kind kommt, weil es ökonomisch für die Familie sinnvoller ist, und dann werden Männer immer einen Grund mehr haben, Karriere zu machen, denn sie erhöhen damit ihre Attraktivität bei den Frauen. Für Frauen gilt das nicht, eher im Gegenteil. Leider.

Dr. Stefan Woinoff, München

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